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APA-Artikel 16. Oktober 2014

Klinischer Mehraufwand: Forschungsrat für langfristige Lösung

Der Forschungsrat hat am Donnerstag Empfehlungen für die Zusammenarbeit von Medizin-Unis, Uni-Kliniken und Krankenanstaltenträgern sowie den damit verbundenen "Klinischen Mehraufwand" (KMA) vorgelegt. Das von "Kakofonie" geprägte Zusammenspiel der Akteure müsse "langfristig geklärt" werden, so Rats-Chef Hannes Androsch. Das Wissenschaftsressort will bis Jahresende ein Berechnungsmodell erarbeiten.

Ein seit den 1950er Jahren ungelöstes Problem ist die Tatsache, dass die drei Medizin-Unis in Wien, Graz und Innsbruck einerseits Lehr- und Forschungseinrichtungen sind, andererseits für Patientenversorgung in den zum Land bzw. Krankenanstaltenträger ressortierenden Uni-Kliniken zuständig sind. Mit dem KMA ersetzt der Bund den Ländern Wien, Steiermark und Tirol den durch Lehre und Forschung verursachten zusätzlichen Aufwand. Noch komplizierter wird die Situation künftig durch die neue Medizin-Fakultät der Uni Linz sowie medizinische Privatunis wie in Salzburg und Niederösterreich und damit verbundene Begehrlichkeiten der Länder.

Für Forschungsrats-Mitglied Markus Hengstschläger, selbst an der Medizin-Uni Wien beschäftigt und im Uni-Rat der Uni Linz tätig, ist die Positionierung der Uni-Kliniken wichtig, "dass dort Patienten von Forschern behandelt und Studenten von Forschern ausgebildet werden". Das bedürfe einer gemeinsamen Strategie der Akteure und vor allem "einer Nachhaltigkeit des Ausgemachten", etwa wie viele Patienten betreut und wie viele Studenten ausgebildet werden. Mit seiner Empfehlung will der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) helfen, diese komplexe Situation "auf eine rationalere Grundlage zu stellen", sagte Androsch.

Konkret empfiehlt der RFT zur Ermittlung und Abgeltung des KMA ein dreistufiges Modell mit einer festgelegten Abfolge an Verhandlungen und Vereinbarungen: Als erster Schritt sollten Finanz- und Wissenschaftsministerium den budgetären Rahmen zur Abgeltung des KMA verhandeln - und zwar über mindestens zwei der dreijährigen Leistungsvereinbarungen zwischen den Medizin-Unis und dem Bund.

In einem zweiten Schritt sollten dann Wissenschaftsressort und Unis die Lehr- und Forschungsschwerpunkte verhandeln und die Anzahl des dafür nötigen wissenschaftlichen Personals definieren. Dabei empfiehlt der Forschungsrat die Definition von drei Verwendungsgruppen von Ärzten mit unterschiedlich hoher Lehr- und Forschungsaktivität. Schließlich sollte in einem dritten Schritt das Land bzw. der Krankenanstaltenträger den zusätzlichen Bedarf an ärztlichem Personal für die Patientenversorgung bestimmen.

Schließlich sollte sich die Abgeltung des KMA am tatsächlichen Mehraufwand für Forschung und Lehre orientieren und nicht an der Grundversorgung für die Patientenbetreuung. Zudem empfiehlt der Rat den Aufbau gemeinsamer Führungsstrukturen zur strategischen und operativen Leitung einer Uni-Klinik, so Hengstschläger. Zudem sollten gemeinsame Leistungsvereinbarungen erstellt und unter dem Stichwort "Schwerpunktbildung" eine gemeinsame Strategie für Forschung und Lehre an den Medizin-Unis entwickelt werden. Androsch nennt in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit der technischen Unis unter der Dachmarke "TU Austria" als Vorbild.

Im Wissenschaftsministerium erklärte man auf Anfrage der APA, dass derzeit "sehr konstruktive Verhandlungen" mit dem Finanzministerium zur Abgeltung des KMA laufen. In Kürze sollen die betroffenen Krankenanstaltenträger in den Ländern einbezogen werden. Das Ressort will den KMA künftig "nach den Kriterien von Einfachheit, Einheitlichkeit und Transparenz" neu regeln. Ziel sei es, bis Jahresende ein detailliertes Berechnungsmodell zu erarbeiten, bei dem insbesondere die Leistungen des Uni-Personals in der Krankenversorgung berücksichtigt werden sollen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Krankenanstaltenträger und Medizin-Unis begrüßt man im Ressort, es müssten aber verfassungsrechtlich vorgegebene Zuständigkeiten berücksichtigt werden.

(S E R V I C E - Internet: Die komplette Empfehlung des Forschungsrats ist ab Montag auf dessen Homepage abrufbar: http://www.rat-fte.at/)

apa.at

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