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APA-Artikel 7. Oktober 2014

Studie: Ärzte verordnen Kindern weniger Antibiotika

Übermäßiger Antibiotika-Einsatz steht in der Kritik - weil die Mittel irgendwann nicht mehr wirken. Eine Studie stellt nun fest: Vor allem bei Kindern sind Ärzte vorsichtiger geworden. Trotzdem sehen die Experten Grund zur Sorge.

Ärzte verschreiben Kindern in Deutschland immer weniger Antibiotika. Das haben Wissenschaftler vom Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigungen in einer am Dienstag vorgestellten Studie berechnet. Demnach fiel die Zahl der ausgestellten Rezepte zwischen 2008 und 2012 für Patienten bis 14 Jahre pro Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent. Mediziner beobachten seit Jahren, dass bestimmte Medikamente bei Krankheiten nicht mehr anschlagen, weil die Erreger resistent geworden sind. Übermäßiger Antibiotika-Verbrauch gilt als eine der Ursachen. Die Forscher bewerten die Entwicklung daher positiv. Die Studie basiert auf Daten aus Arztpraxen.

Als möglichen Grund nennen die Autoren die größere Zurückhaltung von Kinderärzten bei der Verordnung von Antibiotika im Vergleich zu Allgemeinmedizinern. Zudem sei denkbar, dass die Eltern skeptischer geworden seien - ähnlich ihrer Skepsis bei Impfungen.

Sorge bereitet den Forschern aber der Gebrauch besonders wichtiger Reserve-Antibiotika, die eigentlich nur bei schweren Krankheiten eingesetzt werden sollen. Laut Studie wurden in Deutschland etwa mehr sogenannte Cephalosporine verschrieben. In Norwegen, Schweden, Dänemark und Holland würden diese Wirkstoffe ambulant hingegen kaum genutzt. "Wenn dies dort klappt, sollte das auch bei uns funktionieren", sagte Studienleiter Jörg Bätzing-Feigenbaum.

Die Forscher stellten zudem ein West-Ost-Gefälle fest. Spitzenreiter bei der Verschreibung von Antibiotika waren demnach die Ärzte in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Ihre Kollegen in Ostdeutschland verordneten vergleichsweise weniger.

apa.at

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