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APA-Artikel 2. Oktober 2014

CH: Neuer Ärztetarif sorgt für Unsicherheiten bei der Abrechnung

Auf (heute) Mittwoch wurde der Ärztetarif Tarmed angepasst. Allerdings sind noch mehrere Beschwerden gegen die Anpassung hängig. Somit ist vorerst unklar, mit welchem Tarif Spitäler und Ärzte tatsächlich abrechnen können.

Gibt das Bundesverwaltungsgericht den Beschwerdeführern Recht, gilt weiterhin der alte Tarif. Wird die Beschwerde hingegen abgewiesen oder tritt das Gericht erst gar nicht darauf ein, muss mit dem neuen Tarif abgerechnet werden. Spitäler und Ärzte können aber nicht auf den Entscheid warten - ab dem 1. Oktober müssen sie gemäss der neuen Verordnung wirtschaften.

Beschwerden eingereicht haben der Spitalverband H+, die Schweizerische Gesellschaft für Radiologie (SGR) und der Dachverband der invasiv tätigen Fachgesellschaften (fmCh). Die Organisationen geben ihren Mitgliedern unterschiedliche Empfehlungen ab, wie sie mit der momentanen Unsicherheit umgehen sollen.

Die SGR schreibt in ihrem Newsletter an die Mitglieder vom Dienstag, die hängige Beschwerde habe eine aufschiebende Wirkung zur Folge, der Tarifeingriff müsse zurzeit nicht umgesetzt werden.

Wer weiterhin mit dem alten Tarif abrechne, solle aber Rückstellungen machen. Dies für den Fall, dass die Beschwerde keinen Erfolg hat und die Versicherungen später Rückforderungen stellen. Die SGR rät ihren Mitgliedern aber dazu, vorläufig mit den neuen, für Radiologen tieferen Tarifen abzurechnen. Die Chancen der eigenen Beschwerde werden als "eher gering" eingestuft.

Der Spitalverband H+ empfiehlt jenen Mitgliedern, die bei der Beschwerde nicht mitmachen, sie sollen die bundesrätliche Verordnung umsetzen. Eine Sprecherin bestätigt einen entsprechenden Bericht in der "Berner Zeitung" vom Mittwoch. Spitäler, die sich an der Beschwerde beteiligten, könnten wählen, ob sie den neuen Tarif anwenden oder ob sie unter Berufung auf die aufschiebende Wirkung weiterhin nach dem alten Tarif abrechnen würden.

"Je nachdem wie das Bundesverwaltungsgericht entscheiden wird, werden die Spitäler Rechnungen nachfakturieren oder sie müssen zu viel fakturiertes Geld zurückgeben", teilte H+ auf Anfrage mit. Falls der definitive Entscheid erst in einigen Jahren erfolge, gehe man davon aus, dass Pauschallösungen getroffen würden.

"Die Unsicherheit ist gross", sagt fmCh-Generalsekretär Markus Trutman. Die fmCh will demnächst eine Empfehlung an ihre Mitglieder verschicken.

Die Tarifanpassung ist Teil des Masterplans "Hausarztmedizin und medizinische Grundversorgung". Mit der Anpassung werden die Grundversorger besser gestellt - zu Lasten der Spezialärzte. Insgesamt verteilt der Bundesrat mit dem Eingriff 200 Millionen Franken pro Jahr um.

Konkret sinkt die Entschädigung für gewisse technische Leistungen. Haus- und Kinderärzte erhalten dafür einen Zuschlag von rund 9 Franken pro Konsultation in der Arztpraxis.

Doch auch für die Hausärzte ist der neue Ärztetarif "eine Herausforderung", wie Ernst Gähler, Vizepräsident des Ärzteverbandes FMH in der aktuellen Ausgabe der "Schweizerischen Ärztezeitung" schreibt. Der Verordnungstext sei in gewissen Punkten leider alles andere als präzise. Vor allem für Doppeltitelträger, also Fachärzte für Allgemeine Innere Medizin mit einem zweiten Facharzttitel, stelle sich die Frage, wann etwas als hausärztliche, wann als nicht-hausärztliche Leistung gelte.

apa.at

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