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APA-Artikel 1. Oktober 2014

Fall Nadina - Weitere Zeugenaussagen am dritten Prozesstag 1

Im Fall eines nach einer Leistenoperation an der Innsbrucker Klinik im Jahr 2008 schwerstbehinderten Mädchens ist der Prozess gegen einen 56-jährigen Anästhesisten am Mittwoch am Landesgericht Innsbruck mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt worden. Die vom Angeklagten gewählte Anästhesie sei weltweiter Standard, erklärte eine als Zeugin geladene Fachärztin der Innsbrucker Klinik.

"Die Dosierungen der Medikamente waren im absolut sicheren Bereich. Ich hätte es nicht anders gemacht", bekräftigte die Anästhesistin. Der während der Verhandlung anwesende Gutachter Gernot Pauser betonte jedoch erneut, dass es nicht um die Frage der gewählten Narkosemedikamente gehe, diese seien zweifelsfrei in Ordnung gewesen, sondern um die Post-Operative-Phase. "Hier muss etwas passiert sein, sonst hätten wir nicht diesen bedauerlichen Ausgang", sagte Pauser. Der Gutachter sprach damit wiederum eine Dokumentationslücke bei Nadinas Werten von rund 30 Minuten nach der Operation an.

Selbst wenn man keine Zeit gehabt hätte, die Werte aufzuschreiben, wären diese doch ohnehin automatisch im Überwachungsgerät gespeichert worden, meinte der Gutachter. Die Geräte in Innsbruck hätten diese Funktion jedoch nicht, entgegnete die Zeugin. Pauser äußerte daraufhin scharfe Kritik an den Strukturen an der Innsbrucker Universitätsklinik. "Wir kämpfen seit Jahren um eine bessere Patientenüberwachung und um bessere personelle Strukturen", entgegnete die Anästhesistin.

Nadina war am 4. Jänner 2008 im Alter von sechs Wochen am Landeskrankenhaus Innsbruck operiert worden. Bei der Behandlung kam es zu Komplikationen, die mit einem massiven Gehirnschaden des Kindes endeten. Das Mädchen leidet laut dem Anwalt der Familie unter anderem an tief greifenden Entwicklungs- und komplexen Wahrnehmungsstörungen, einer zerebralen Sehstörung und einer schweren Epilepsie mit therapieresistenten Krampfanfällen.

Der Prozess ist auf drei Tage anberaumt. Ob Richter Gerhard Melichar tatsächlich schon am Mittwoch ein Urteil verkünden wird, schien jedoch fraglich. Eine Zeugin war zu ihrer Einvernahme nicht erschienen und Staatsanwältin Erika Wander kündigte bereits an, dass sie auf deren Befragung nicht verzichten werde.

apa.at

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