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APA-Artikel 30. September 2014

MERS-Erkrankung: Behandlung mit Aids-Medikament

Jene saudiarabische Patientin, die seit Sonntag laut Angaben des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) mit einer MERS-Coronaviruserkrankung in der Infektionsabteilung des Kaiser Franz Josef-Spitals liegt, wird einem Aids-Kombinationspräparat behandelt. "Dafür gibt es positive, wissenschaftlich belegte Behandlungsergebnisse", sagte der Vorstand der Abteilung, Christoph Wenisch, Dienstagnachmittag.

Die Krankheit, so der Infektionsspezialist gegenüber der APA, beginnt zumeist mit schleichenden Symptomen. "Wie eine Verkühlung mit Symptomen der oberen Atemwege", so Wenisch. Die Inkubationszeit dürfte drei, vier Tage bis eine Woche dauern. Nach einigen Tagen der Frühsymptome entwickelt sich eine Art Bronchiolitis. "Das ist typischerweise eine Entzündung der unteren Atemwege", so der Infektiologe. Das kann bis zum akuten Atemversagen (Acute Respiratory Disstress Syndrome - ARDS) führen.

Gegen die Virusinfektion wurden in den vergangenen Jahren mehrere Medikamente auf ihre Wirksamkeit untersucht. Dazu gehören auch Protease-Hemmer, wie sie bei der Behandlung von Retrovirus-Infektionen - typischerweise bei HIV/Aids - eingesetzt werden. Die Patientin bekommt ein in der HIV/Aids-Therapie vielfach eingesetztes Kombinationspräparat aus den Protease-Hemmstoffen Lopinavir und Ritonavir. Dabei wirkt Ritonavir als Verstärker des antiviralen Effektes von Lopinavir.

Für die Wirksamkeit dieser Strategie sprechen wissenschaftliche Belege, die ehemals bei den SARS-Erkrankungen durch ein anderes Coronavirus ab 2003 gemacht wurden. Seit Auftauchen von MERS wurde der Protease-Hemmer auch bei diesen Erkrankungen eingesetzt.

"Hinzu kommt eine spezielle intensive künstliche Beatmung, die man ARDS-Beatmung nennt", sagte Wenisch. Dabei geht es darum, die Intensität der Überdruckbeatmung optimal anzupassen, um noch zusätzliche Schäden durch die künstliche Beatmung selbst zu verhindern, auf der anderen Seite aber auch die ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen.

Wie lange eine MERS-Erkrankung dauert, lässt sich laut Wenisch schlecht abschätzen. Das hängt nämlich auch vom eventuellen Auftreten zusätzlicher Komplikationen ab.

apa.at

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