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APA-Artikel 30. September 2014

Organspendeskandale in Deutschland

In Deutschland warten etwa 11 000 Patienten auf ein Spenderorgan. Doch die Bereitschaft zur Spende geht zurück, denn mehrere Skandale haben das Vertrauen in die Transplantationsmedizin erschüttert:

Juli 2012: Es wird bekannt, dass zwei Mediziner der Göttinger Universitätsklinik im großen Stil Akten gefälscht und die eigenen Patienten beim Empfang von Spenderlebern bevorzugt haben sollen.

August 2012: Neue Erkenntnisse: Einer der verdächtigen Mediziner soll schon von 2004 bis 2006 an der Regensburger Uniklinik vor Lebertransplantationen Krankendaten manipuliert haben.

September/Oktober 2012: Prüfer am Münchner Krankenhaus Rechts der Isar stellen Auffälligkeiten bei der Organvergabe fest. Laut Klinik wurden Laborwerte gefälscht, damit eigene Patienten auf der Warteliste nach oben rutschten und rascher ein Spenderorgan bekamen.

Januar 2013: Am Universitätsklinikum Leipzig werden Manipulationen aufgedeckt. Der Direktor des Transplantationszentrums und zwei Oberärzte werden beurlaubt.

Mai 2013: Das Münchner Klinikum darf nach dem Willen der bayerischen Landesregierung künftig keine Lebern mehr verpflanzen. Strukturelle Veränderungen sollen neues Vertrauen schaffen, heißt es. Die Fraktionen im Bundestag einigen sich auf eine Gesetzesänderung: Richtlinien der Bundesärztekammer zur Organentnahme sollen künftig vom Bundesgesundheitsministerium genehmigt werden müssen.

Juni 2013: Nach dem Willen des Bundestages sollen Betrügereien schärfer geahndet werden. Eine Änderung des Transplantationsgesetzes sieht Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren oder Geldstrafen vor. Wegen Verdachts auf Totschlag und Körperverletzung leitet die Leipziger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen drei Ärzte ein.

August 2013: Zum Auftakt seines Prozesses weist der Göttinger Mediziner alle Vorwürfe zurück. Ein Ende des Verfahrens ist auch mehr als ein Jahr später noch nicht abzusehen.

August 2014: Staatsanwälte ermitteln gegen Ärzte des Deutschen Herzzentrums in Berlin wegen versuchten Totschlags. Im Mai waren bei einer Routineuntersuchung der Ärztekammer erstmals Unregelmäßigkeiten an der Klinik aufgefallen. Danach sollen Patienten von 2010 bis 2012 möglicherweise nur deshalb hoch dosierte Medikamente bekommen haben, um auf der Warteliste für ein Spenderherz die höchste Prioritätsstufe zu erreichen.

apa.at

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