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APA-Artikel 29. September 2014

Unfallchirurgen arbeiten an Reform der Polytrauma-Versorgung

Die Behandlung von schwer- und mehrfachverletzten Personen ist eine der größten Herausforderungen der Unfallchirurgie. In Zukunft soll es dafür in Österreich ein neues Versorgungsmodell geben, das von den Unfallchirurgen erarbeitet wird. In Salzburg findet in den kommenden Tagen (2. bis 4. Oktober) die Jahrestagung der österreichischen Fachgesellschaft statt.

Schwer- und Mehrfachverletzte benötigen schnelle, spezialisierte Hilfe mit umfassender Diagnostik und abgestimmten Therapiemaßnahmen. Laut aktuellen Zahlen ereignen sich in Österreich pro Jahr etwa 824.000 Unfälle (Straßenverkehr, Freizeit- und Arbeitsunfälle), was zu rund 163.000 stationären Aufenthalten in Spitälern führt und mehr als 1,1 Mio. Spitalstagen entspricht.

"Wir sehen tief greifende Veränderungen auf uns zukommen", erklärte der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie (ÖGU), Andreas Pachucki, Primar am Landesklinikum Mostviertel in Amstetten. "Die Fachgebiete Unfallchirurgie und Orthopädie werden zu einem neuen Facharzt zusammengeführt, was neue Ausbildungsformen und -wege zur Folge hat. In der unfallchirurgischen Praxis ist die Einführung und Etablierung von abgestuften Versorgungssystemen für Polytraumapatienten in Form von Traumanetzwerken unabdingbar", so Pachucki.

Aktuell wurde in Salzburg ein neues flächendeckendes Versorgungsmodell ("Traumanetzwerk") ausgearbeitet, das im Kern eine schnelle und effiziente Kommunikation und Organisation eines schwerverletzten Patienten sicherstellen soll. Dazu müssen alle unfallchirurgischen Abteilungen aller Spitäler klassifiziert und nach Kapazitäten und Einsatzfähigkeiten kategorisiert werden, hieß es am Montag in einer Aussendung.

Daraus ergibt sich ein Modell von lokalen, regionalen und überregionalen Spitälern, die jeweils - gemäß Schweregrad eines Verletzten - für die Versorgung und Behandlung infrage kommen. "Nicht alle Krankenhäuser in Österreich sind für Polytrauma-Patienten rund um die Uhr ausgerüstet. Daher ist ein derartiges Stufenmodell äußerst sinnvoll und hilft schon dem Notarzt in seiner weiteren Zuweisung", erklärte Tagungspräsident Herbert Resch, Vorstand der Abteilung für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie an der Salzburger Universitätsklinik.

Das Salzburger Traumanetzwerk gelte als Vorreiter der koordinierten und zertifizierten Schwerverletztenversorgung und sei nach dem Vorbild der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ins Leben gerufen und erfolgreich bewertet worden. Derzeit nehmen sieben Kliniken am Traumanetzwerk teil, wovon zwei als überregional kategorisiert sind (AUVA Unfallkrankenhaus Salzburg und Universitätsklinik für Unfallchirurgie/Universitätsklinik Salzburg) und zwei weitere als regionale Standorte (KH St. Josef, Braunau und Kardinal Schwarzenberg ́sches KH Schwarzach) gelten. Drei weitere Krankenhäuser nehmen als lokal klassifizierte Standorte an dem Netzwerk teil (KH Zell am See, Klinik Diakonissen Schladming und das KH Tamsweg).

Die Erfahrungen aus Deutschland sind gut. So gelang es beispielsweise seit Einführung einer standardisierten Leitlinie zur Polytraumabehandlung im Jahr 2011, die Streberate von schwerverletzten Patienten, die das Krankenhaus lebend erreichten, signifikant zu reduzieren. Weitere Themen bei der 50. ÖGU-Jahrestagung werden die Schockraumbehandlung, Polytrauma im internationalen Vergleich und das Rehabilitationsmanagement sein.

apa.at

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