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APA-Artikel 29. September 2014

Österreichs Ärzte-Fachgesellschaften starten Kampagne "Don't Smoke"

Österreichs an Diagnose und Therapie von Raucher-Krankheiten meistbeteiligte Fachärzte sowie Umweltmediziner, Ärzte- und Apothekerkammer starten mit einer "Don't-Smoke"-Kampagne einen entschiedenen Feldzug gegen den Griff zur Zigarette. Ein umfassender Nichtraucherschutz in Räumlichkeiten, die auch von Nichtrauchern benutzt werden, müsse her, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Hellmut Samonigg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO), zitierte die Statistik: "Alle sechs Wochen haben wir in Österreich 1.000 Begräbnisse von Menschen, die durch das Rauchen sterben. Pro Jahr haben wir 1.100 Begräbnisse von Menschen, die durch das Passivrauchen gestorben sind. Österreich liegt hinsichtlich der Maßnahmen zur Einschränkung des Tabakkonsums von 34 europäischen Ländern an letzter Stelle. In Österreich rauchen 33 Prozent der Bevölkerung, in Europa sind es im Durchschnitt 28 Prozent. Pro Minute werden in Österreich 35.000 Zigaretten geraucht. Von den Kindern und Jugendlichen rauchen mehr oder weniger regelmäßig 53 Prozent."

Etwa ein Viertel aller Krebs-Todesfälle - vom HNO-Tumoren über Lungenkrebs bis zu Blasen- und anderen Karzinomen - sei auf Tabak zurückzuführen."Frauen, die mehr als zehn Zigaretten geraucht haben, haben ein um durchschnittlich 7,3 Jahre kürzeres, Männer ein um 9,4 Jahre kürzeres Leben", berichtete Samonigg. Laut den Zahlen des Gesundheitsministeriums, so der Experte, sterben in Österreich rund 14.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, im Straßenverkehr seien es pro Jahr 450. Der Onkologe: "Von jenen Menschen, die vor dem 55. Geburtstag einen Herzinfarkt erleiden, haben mehr als drei Viertel geraucht."

Zu den fatalsten Folgen des Zigarettenkonsums gehört das Lungenkarzinom, das zumeist erst in einem unheilbaren Stadium diagnostiziert wird und bei dem die durchschnittliche Überlebensrate dann etwa Jahr beträgt. Ein bei der Pressekonferenz am Montag angekündigter betroffener Patient, der stellvertretende News-Chefredakteur Kurt Kuch, konnte nicht teilnehmen. In einem Statement sagte Kuch: "Rauchen tötet. Es war die schlechteste Entscheidung meines Lebens, mit dem Rauchen zu beginnen. Heute kann ich nur versuchen, mitzuhelfen, dass Österreich zumindest europäisches Niveau erreicht, wenn es darum geht, die fatalen Folgen des Rauchens gering zu halten."

Die Initiative der österreichischen Onkologen, Kardiologen, Angiologen, Kinderfachärzte, Pneumologen, Arbeitsmediziner, Diabetologen, der Ärzte- und Apothekerkammer sowie der "Ärzte gegen Raucherschäden" richtet sich auf mehrere Ziele: auf einen umfassenden Nichtraucherschutz mit Rauchverboten in allen Räumlichkeiten, die auch von Nichtrauchern frequentiert werden (Gastronomie etc.), einen besseren Jugendschutz mit Erhöhung der Altersgrenze auf 18 Jahre für Konsum und Kauf von Tabakwaren, Erhöhung der Tabaksteuer mit Finanzierung von Information und Beratung, Unterstützung von Betrieben, die von Schutzmaßnahmen betroffen sind und Umsetzung des von Österreich bereits 2005 unterzeichneten WHO-Rahmenübereinkommens zur Tabakkontrolle.

Samonigg: "Wieder so ein fauler Kompromiss (gemeint die derzeitigen Regelungen; Anm.), das ist nicht im Sinn der Initiative. Eine Diplomarbeit aus Graz habe ergeben, dass in der steirischen Landeshauptstadt 74 Prozent aller dabei untersuchten Gastronomiebetriebe nicht den gesetzlichen Regelungen entsprechen." Die Kampagne (www.dontsmoke.at) inklusive Online-Petition will so lange permanent Druck machen, bis die Ziele erreicht sind.

apa.at

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