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APA-Artikel 29. September 2014

D: Hohe Kaiserschnitt-Quote für Ärzte vermeidbar

Ein schneller Schnitt oder doch die Presswehen? Wie oft eine Sectio vorkommt, hängt in Deutschland laut Statistik auch vom Wohnort ab. Für die Gynäkologen ist die hohe Quote vermeidbar - auch mit mehr Personal und Ausbildung.

Im Bundesdurchschnitt bringt fast jede dritte Frau ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr veränderte sich die Quote nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes von Freitag so gut wie nicht - aber es gibt starke regionale Unterschiede. Gynäkologen halten die Zahl für höher als nötig: Neben der persönlichen Einstellung von Arzt und Mutter führe auch Personalmangel oft zum vermeintlich sicheren und schnelleren Schnitt.

In der Summe blieb der Anteil der Frauen, die 2013 in Deutschland im Krankenhaus per Kaiserschnitt entbunden wurden, nahezu unverändert: 31,8 Prozent der insgesamt 661 138 Klinik-Gebärenden des vergangenen Jahres brachten ihre Kinder so auf die Welt. In den einzelnen Bundesländern aber variiert die Kaiserschnittquote stark: Am höchsten war sie im Saarland mit 38,1 Prozent. Die wenigsten Kaiserschnittentbindungen gab es mit 23,8 Prozent in Sachsen.

Es gebe sicherlich die Einstellung unter Klinikbetreibern oder Ärzten, die sich bei natürlichen Geburten schnell in einem rechtsfreien Raum sehen, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, der dpa. "Es ist noch niemand verurteilt worden, weil er einen Kaiserschnitt gemacht hat", höre er immer wieder als Einwand, wenn er mit Kollegen spreche. Den umgekehrten Fall - eine Verurteilung wegen der Entscheidung gegen die Sectio - gebe es aber sehr wohl.

Neben einigen Fällen, in denen ein Kaiserschnitt nicht zu vermeiden sei, hinge der Verlauf vieler Geburten von der individuellen Einstellung des Arztes ab, so der Mediziner: "Es gibt Umstände, in denen ein ängstlicher Mensch lieber den vermeintlich sicheren Weg geht, während ein anderer dies nicht macht." Auch viele Frauen planten inzwischen bereits zu Beginn der Schwangerschaft den Schnitt, weil sie Angst vor Schmerzen, Einschränkungen beim Sex oder Verletzungen der Scheide hätten.

In den ostdeutschen Ländern hängt die niedrigere Quote für Experten auch mit den im Schnitt jüngeren Müttern zusammen. "Je älter eine Frau ist, desto eher steigt das Risiko für eine Komplikation", sagte Albring. Aber auch für die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe spielt die größte Rolle bei den Unterschieden, ob der Arzt auf Nummer sicher gehen will oder nicht: "Die Abwägung zwischen einer natürlichen, vaginalen Geburt und einem Kaiserschnitt bei beispielsweise einer Steißlage oder einer vorangegangenen Kaiserschnittgeburt führt heute häufiger zu einem Kaiserschnitt."

Auch eine schlechte Ausstattung und zu wenig Ärzte und Pfleger begünstigen aus Sicht der Experten den schnellen Schnitt: "Die fehlende Verfügbarkeit einer vollständig besetzten, notfallbereiten Geburtsmedizin nachts und am Wochenende kann möglicherweise eine Entscheidung zur Sectio bedingen", teilt die Gesellschaft mit. Es gebe in Krankenhäusern wie Uni-Kliniken heute nicht mehr genügend Personal, um Schwangeren in jeder Situation gerecht zu werden, sagte auch Albring. Fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten und Nachwuchsmangel verschärften das Problem noch: "Wenn ich bei einer Geburt keinen mehr habe, den ich dazurufen oder fragen kann, dann muss ich ja als Arzt den sichereren Weg gehen."

Laut Statistik bieten immer weniger Kliniken überhaupt Geburten an: Nur noch 37 Prozent der 1996 Krankenhäuser in Deutschland führen Entbindungen durch, im Vorjahr waren es 37,7 Prozent. Dabei steigt die Zahl der Geburten: 674 245 Kinder kamen 2013 im Krankenhaus zur Welt, 1,3 Prozent mehr als 2012. 0,3 Prozent der Kinder wurden tot geboren.

Von Miriam Bandar und Sandra Trauner, dpa

apa.at

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