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APA-Artikel 25. September 2014

Kärntner Spitalsärzte wollen mehr Geld und weniger arbeiten

Die Ärzte an den Kärntner Landesspitälern wollen weniger arbeiten und mehr Geld. Bei den am Donnerstag abgehaltenen Betriebsversammlungen in allen fünf Krankenhäusern des Trägers Kabeg wurden Druckmittel für die Verhandlungen mit dem Land beschlossen. Darüber informierten der Kärntner Ärztekammerpräsident Josef Huber und Zentralbetriebsratschef Arnold Auer bei einer Pressekonferenz.

Gefordert wird eine Erhöhung des Grundgehalts nach dem Konzept "48/60". Die Ärzte wollen so viel, wie sie derzeit bei 60 Wochenstunden verdienen, schon bei 48 Stunden bekommen. Dafür müssten die Grundgehälter um 25 bis 30 Prozent steigen. Die Normalarbeitszeit von Ärzten liegt bei 40 Wochenstunden. Das würde das Landesbudget mit zusätzlichen 30 Millionen Euro belasten, sagte Huber.

Eine Novelle des Arbeitszeitgesetzes für Ärzte sieht eine Reduktion der wöchentlichen Maximalarbeitszeit auf 48 Stunden vor. Es beinhaltet allerdings Übergangsfristen bis 2021. Ärzte haben während dieser Zeit die Möglichkeit, auf eigenen Wunsch auch mehr als acht Überstunden pro Woche zu machen. Die Kabeg-Ärzte haben bei den Betriebsversammlungen einstimmig beschlossen, dass man die Übergangmöglichkeit geschlossen nicht wahrnehmen werde, sofern die Gehaltsverhandlungen keine Erfolge zeigen. Das würde bedeuten, dass ab Jänner die knapp 900 Kärntner Spitalsärzte nicht mehr als 48 Stunden arbeiten. Allein am Klinikum Klagenfurt würden dann 75 Ärzte fehlen.

"Die Arbeitsbelastung ist unerträglich geworden, wir sind mittlerweile dort, wo Ärzte krank werden. Das Kärntner Gesundheitswesen ist ein Intensivpatient", klagte der Kärntner Ärztekammerpräsident und sprach weitere Probleme an. So gebe es immer weniger Turnusärzte. "Die Zahl ist in den letzten Jahren von 120 auf 57, 58 zurückgegangen." Das habe unmittelbare Auswirkungen auf die Hierarchie: "Sogar Primarärzte müssen an manchen Abteilungen normale Dienste versehen." Für Huber ist die Übergangsfrist beim Arbeitszeitgesetz zu lang.

Die 53-jährige Herzchirurgin Petra Preiss rechnete vor, dass sie bei ihrem Grundgehalt von 4.150 Euro brutto für eine dreistündige Herzoperation etwas mehr als 50 Euro netto verdiene. Sie kündigte weitere Betriebsversammlungen und "kreative Protestmaßnahmen" an, falls die Gehaltsverhandlungen nicht nach den Vorstellungen der Ärzte verlaufen.

Die Österreichische Ärztekammer stellte sich in einer Aussendung am Donnerstag hinter die Kärntner Spitalsärzte. Der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Harald Mayer, sagte darin: "Die Kolleginnen und Kollegen stehen im Grunde stellvertretend für uns alle auf, um vor einem Versorgungs-Breakdown zu warnen. So geht es nicht mehr."

apa.at

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