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APA-Artikel 23. September 2014

Spitalsärzte: Aktuelle Studie belegt psychische Belastung

Überlange Nachtdienste stellen für die Spitalsärzteschaft nicht nur eine physische, sondern auch eine enorme psychische Belastung dar. Sie resultieren in erhöhter Reizbarkeit und Erschöpfung sowie einem hohen Stresspegel, der sich auch durch Schlaf während des Nachtdienstes nicht senken lasse.

"Diese Ergebnisse einer aktuellen Studie an der Universität Innsbruck sollten die Alarmglocken schrillen lassen, bilden sie doch nicht nur eine akute Gefährdung der Ärzteschaft, sondern auch der Patienten ab", sagte Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), am Dienstag in einer Aussendung. Eine nachhaltige Reduktion der überlangen Arbeitszeiten sei nur eine Möglichkeit, die enorm hohe Belastung zu senken. Zudem müsste bei der Erstellung von Dienstplänen auf ältere Ärztinnen und Ärzte Rücksicht genommen werden. "Ein 55-jähriger Arzt ist längst nicht mehr so belastbar wie ein 30-jähriger Kollege. Wenn wir wollen, dass die Leistungsfähigkeit von Ärzten nicht durch übermäßige Arbeitsbelastung und chronisches Schlafdefizit beeinträchtigt wird und dass ältere Kolleginnen und Kollegen einigermaßen gesund bis zur Pension arbeiten können, dann müssen wir die Arbeitsbedingungen entsprechend anpassen. Ohne verkürzte Arbeitszeiten wird es nicht gehen", betonte Mayer.

Die Studie habe gezeigt, dass selbst durchgehender Schlaf während eines Nachtdienstes keine Erholung bringe. Mayer: "Sogar dann, wenn ein Arzt während seines Nachtdienstes durchschlafen kann, schüttet sein Körper vermehrt Stresshormone aus. Schließlich muss er damit rechnen, jederzeit geweckt zu werden." Ein Nachtdienst würde somit psychischen und physischen Dauerstress bedeuten, zu den Auswirkungen gehörten neben Reizbarkeit und Erschöpfung auch verminderte Konzentration und verlängerte Reaktionszeiten.

"Wir wissen seit Jahren, dass Übermüdung und Erschöpfung nicht nur die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen gefährden, sondern auch eine potenzielle Gefahrenquelle für die Gesundheit der Patienten darstellt. Wir wissen auch, dass jemand, der länger als 24 Stunden im Dienst gestanden hat, so beeinträchtigt ist, als hätte er 0,8 Promille Alkohol im Blut", erklärte der Kurienobmann. Dass dennoch überlange Dienste verlangt würden, sei "grob fahrlässig", so Mayer. Langfristig könne die Situation durch EU-konforme Arbeitszeiten verbessert werden. "In einem nächsten Schritt müssen wir die Rahmenbedingungen in den Spitälern an die Lebenssituation und an die Bedürfnisse der Spitalsärzteschaft anpassen. Andernfalls wird sich der Ärztemangel noch gravierender auswirken, und wir sind wieder bei überlangen Diensten und überlasteten Ärzten", mahnte Mayer abschließend. (slv)

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/162/aom

apa.at

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