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APA-Artikel 8. September 2014

Arzt gestalkt und mit Umbringen gedroht: Salzburger angeklagt

Ein sehbeeinträchtigter Salzburger soll im Vorjahr einem Augenarzt die Schuld für seinen Führerscheinentzug gegeben und ihn per Handy beharrlich verfolgt und bedroht haben. "Sie werden wie ein Dreckschwein abgeschlachtet", das Leben des Arztes und das seiner Familie sei bald zu Ende, stand in einer SMS. Der 44-jährige Angeklagte beteuerte bei einem Prozess am Freitag in Salzburg seine Unschuld.

Der hochrangige Arzt einer Salzburger Klinik erhielt von Februar bis Herbst 2013 mehrere SMS mit beängstigendem Inhalt: "Du Judensau, du Betrüger, dein Leben ist bald zu Ende", "jetzt ist es so weit, meine Leute haben den Plan, Sie und Ihre Familie zu vernichten" sowie "tick tick bumm", war da etwa zu lesen. Laut Anklage verwies der Absender dabei auf den Bombenleger Franz Fuchs. Die Kurznachrichten, die von drei verschiedenen Handynummern gesendet wurden, bekam der Augenarzt vorwiegend in der Nacht.

"Die Drohungen waren nicht angenehm", schilderte der Mediziner im Zeugenstand. Um sich verteidigen zu können, habe er ein offenes Messer in der Hosentasche getragen, bis zu dem Zeitpunkt, als er nach Genehmigung eines Waffenpasses eine Pistole trug, mit der er in den Dienst gefahren sei. "Es war blöd, mit der Pistole in der Tasche zur Visite zu gehen", deshalb habe er sie dann weggetan, sagte der Zeuge zu Strafrichter Philipp Grosser. Die Klinik stellte dem Stalking-Opfer für einige Wochen einen Bodyguard zur Seite und forderte vom Beschuldigten rund 4.650 Euro an Überwachungskosten ein.

Der arbeitslose Salzburger hat eine Sehbehinderung, er soll auf einem Auge fast blind sein. Sein Berufswunsch, Taxifahrer zu werden, hat sich trotz bestandener Führerscheinprüfung bisher nicht erfüllt. Eine Taxibewilligung erhielt er nicht. Im Jahr 2011 lief gegen ihn ein Führerscheinentzugsverfahren. Der Augenarzt habe eine negative Stellungnahme abgegeben, erklärte der Angeklagte, der bereits 19 mal vor Gericht gestanden ist, heute dem Richter.

Bald darauf sei ihm der Führerschein entzogen worden, sagte der 44-Jährige. "Ich bin zu verschiedenen Ärzten gegangen, damit ich den Führerschein wieder bekomme." Er habe nur zweimal mit dem mutmaßlichen Opfer Kontakt gehabt. "Einmal im Jahr 2011 und einmal nach meiner Augenoperation. Ich wollte nur wissen, wann er mir die Negativstellungnahme gemacht hat." Und er habe Schadensersatz von ihm gefordert, deshalb sei er seit 2012 bei der Patientenanwaltschaft. Denn das Gutachten habe sein Leben negativ beeinflusst. Von Jahresbeginn 2013 bis zur Augenoperation im Juni 2013 habe er nicht lesen und auch keine SMS schreiben können, wies der 44-Jährige jegliche Schuld von sich. Er wurde auch wegen kleinerer Diebstähle angeklagt, die er auch zugab. Wegen seiner Kleptomanie habe er bereits einen Therapietermin vereinbart, betonte er.

Der Augenarzt erzählte dem Richter noch, dass der Angeklagte oftmals in der Klinik und auch den Nachtdienst angerufen habe. Er selbst habe den Salzburger vor dem Prozess aber weder gesehen noch ein Gutachten oder einen Arztbrief für ihn unterzeichnet. Seine Handynummer zu bekommen sei problemlos, meinte der Augenarzt. "Ich habe keine Geheimnummer, die Nummer steht auch auf den Notfallplänen des Krankenhauses." Schadensersatz forderte er vom Angeklagten nicht. "Ich betrachte ihn eher als armes Würstchen, das nicht von Gott gesegnet worden ist." Der Prozess wurde zur Einvernahme von drei weiteren Zeugen auf 12. September vertagt.

apa.at

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