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APA-Artikel 29. August 2014

Münchner Spezialisten auf Ebola vorbereitet - "wir sind gerüstet"

(Von Sabine Dobel, dpa)

Ebola hält Westafrika in Schrecken. Eine Epidemie wird es in Deutschland nach Angaben von Experten nicht geben. Aber die Ärzte in den wenigen hochspezialisierten Zentren sind auf alles vorbereitet.

Gut zwanzig Minuten braucht der Arzt, um überhaupt den gelben Anzug aus speziellem Kunststoff überzuziehen und luftdicht zu verkleben. Erst dann darf er durch die Druckschleuse mit den Lettern "Isolation". Wenn er nach Stunden seinen Patienten verlässt, muss er zwanzig Minuten in Montur mit Desinfektionsmittel duschen. Im Klinikum München-Schwabing ist die Sonderisolierstation auf die mögliche Ankunft eines Ebola-Patienten vorbereitet. Sie ist eines von acht Zentren in Deutschland, die einen Kranken behandeln könnten.

Die Sicherheitsvorkehrungen für den Ernstfall sind hoch. Das Virus aus Westafrika gehört zu den weltweit gefährlichsten. In Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone wurden mehr als 3000 Ebola-Infizierte und Verdachtsfälle gemeldet, jeder zweite starb. Die Zahl der Infizierten könnte laut WHO zwei bis vier Mal so hoch liegen.

Ob und wann nach dem Ebola-Kranken in Hamburg ein Patient in der Station 10 d in München eintrifft, ist offen. "Die Wahrscheinlichkeit ist relativ gering, aber wir sind gerüstet", sagt der Chefarzt für Hämatologie, Infektiologie und Tropenmedizin, Clemens Wendtner. "Wir könnten heute jemanden aufnehmen", sagt Oberarzt Michael Seilmaier.

An die 2500 Anzüge lagern im Keller des Klinikums sowie Hunderte Liter Formalin zur Desinfektion. Die Klinik hat nachgekauft. Die Vorräte reichen für Wochen.

Ebola-Viren sind weniger ansteckend als etwa Grippe, an der weltweit jährlich Hunderttausende Menschen sterben. Ist jemand aber erkrankt, enthält sogar sein Schweiß Viren. Hat ein Helfer damit Kontakt und wischt über die Augen oder in eine Wunde, kann es passiert sein.

Damit aus dem Intensivzimmer keine Viren strömen, herrscht Unterdruck. Ärzte und Helfer haben hingegen in ihren Anzügen Überdruck. Das macht die Arbeit beschwerlich. "Sie schwitzen in den Anzügen und sind nach drei Stunden k.o.", sagt Wendtner.

Für 24 Stunden Betreuung sind 8 Ärzte und 16 Helfer nötig. Teile der Apparate wie Beatmungs- oder Dialysegeräte müssen nach der Behandlung verbrannt werden. "Das macht die Versorgung des Patienten sehr aufwendig und sehr kostspielig", sagt Wendtner. Sogar die Exkremente des Patienten müssen in blauen Tonnen unter Polizeischutz zur Müllverbrennung gefahren werden. Ein Behandlungstag kostet mindestens einen fünfstelligen Betrag.

In Deutschland fürchtet niemand eine Epidemie. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass Flüchtlinge aus Afrika krank ankommen, sei "praktisch gleich null", sagt der Ärztliche Leiter im Klinikum Schwabing, Götz Brodermann. Sie seien meist Monate auf der Flucht - und die Inkubationszeit bei Ebola beträgt 21 Tage. Dass sich Touristen infizieren, hält Brodermann ebenfalls für sehr unwahrscheinlich. "Wir haben keine Touristen in den Gebieten."

Eher ist anzunehmen, dass die WHO wie in Hamburg die Klinik um Aufnahme eines kranken Helfers bittet. Auch könnte ein deutscher Helfer im Fall einer Infektion in München behandelt werden. In vier Stunden können die Ärzte dann die Station hochfahren.

Sie war zu den Olympischen Spielen 1972 eröffnet worden, damals vor allem mit Blick auf die Pocken. Nur ein Mal wurde bisher ein Mensch mit Sars 2002 in dem Intensivzimmer behandelt - alle anderen Patienten kamen nur mit Verdacht auf Krankheiten, etwa Lassafieber und nach den Anschlägen von New York 2001 mit Verdacht auf Milzbrand.

20 bis 40 Anrufe besorgter Kollegen erhalten die Mediziner täglich aus Bayern und Österreich. Bisher aber konnten sie ihre Kollegen beruhigen: kein Anlass für einen Verdacht. Oberarzt Seilmaier: "Wenn jemand, der aus Afrika zurückkehrt und hohes Fieber und Kopfschmerzen hat, ist um ein Vielfaches wahrscheinlicher, dass er Malaria hat."

apa.at

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