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APA-Artikel 22. August 2014

Folgen des Organspende-Skandals in Deutschland

In Deutschland warten etwa 10 000 schwer kranke Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Alle acht Stunden stirbt nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) einer von ihnen, weil kein Organ rechtzeitig zur Verfügung steht.

Im Juli 2012 kam ans Licht, dass zwei Mediziner der Göttinger Universitätsklinik Akten gefälscht und eigene Patienten beim Empfang von Spenderlebern bevorzugt haben sollen. In den folgenden Monaten wurden Manipulationen bei der Organvergabe in weiteren Krankenhäusern bekannt.

Danach ging die Zahl der Spender immer weiter zurück. Mit 2013 nur noch 876 Organspendern (2012: 1046; 2011: 1200) erreichte die Zahl einen historischen Tiefstand. In diesem Jahr setzte sich diese Tendenz fort: Von Januar bis Juli gab es 513 Spender (Vergleichszeitraum 2013: 548).

Als Folge des Skandals wurde 2012 das Transplantationsgesetz umfangreich reformiert. Möglichst jeder Bundesbürger soll nun seine Bereitschaft zur Spende erklären - aber ohne Zwang, sich entscheiden zu müssen. Alle bekommen von ihrer Krankenkasse dementsprechend Post.

Die Transplantationszentren und die Entnahmekrankenhäuser wurden verpflichtet, einer Prüfungskommission Unterlagen über Entscheidungen zu geben und Auskünfte zu erteilen. Die Kommission muss Erkenntnisse über Verstöße an die Behörden der Länder weiterleiten. In allen Kliniken sind nun Transplantationsbeauftragte Pflicht, um mögliche Spender zu identifizieren und den Gesamtprozess der Organspende zu koordinieren. Für falsche Angaben zu Patienten, die auf ein Organ warten, drohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren.

apa.at

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