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APA-Artikel 21. August 2014

Krankenhaus Nord - KAV: Kostenüberschreitung von bis zu 50 Mio. Euro

Die Errichtung des Wiener Großspitals "Krankenhaus Nord" (KHN) schreitet voran - und wird seit geraumer Zeit von Spekulationen um Mehrkosten und Baustellenproblemen begleitet. Der Krankenanstaltenverbund (KAV) räumt nun die Möglichkeit einer Kostenüberschreitung ein. Diese werde aber maximal bei fünf Prozent der Gesamtsumme - also bei rund 50 Mio. Euro - liegen, hieß es am Mittwoch.

"Mehr als 95 Prozent der Auftragsvergaben sind bereits durchgeführt", sagte Thomas Balazs, KAV-Direktor für Infrastruktur und Organisationsentwicklung, vor Journalisten. Dadurch bestehe hohe Kostensicherheit. Nach Bewertung unterschiedlicher Risiken habe man eine Maximalüberschreitung von fünf Prozent der projektierten Mittel von 954 Mio. Euro errechnet. Damit würde das KHN im teuersten Fall etwa eine Mrd. Euro kosten.

Balazs verwies mehrmals auf die Komplexität des Bauvorhabens, wodurch Schwierigkeiten nie auszuschließen seien. Konkret sprach er heute von "zwei größeren Problemen" in jüngerer Vergangenheit. Einerseits mussten Statikpläne nachträglich korrigiert werden, wobei der Rohbau trotzdem zeitgerecht - Mitte Juni - fertiggestellt werden konnte. Andererseits schlitterte die mit dem Fassadenbau beauftragte Firma in Insolvenz, was zu Zeitverzögerungen geführt hat. Der KAV-Direktor rechnet aber damit, dass die Außenhülle noch heuer geschlossen werden kann.

Um unerwünschte Zwischenfälle künftig nach Möglichkeit zu vermeiden, holt sich der KAV als Bauherr externe Unterstützung. Konkret wurden mit drei Partnerunternehmen Rahmenverträge geschlossen, um Koordinationsleistungen punktuell zukaufen zu können, berichtete Balazs. Schließlich müssten für den Innenausbau bis zu 70 Auftragnehmer aufeinander abgestimmt werden.

Voll funktionstüchtig soll das Mega-Krankenhaus - gerechnet wird mit 46.000 stationären Aufnahmen und 250.000 Ambulanzbesuchen pro Jahr - noch im Laufe des Jahres 2016 sein. Die Übersiedlungspläne für Abteilungen und rund 2.000 Mitarbeiter an den neuen Standort werden gerade ausgearbeitet, berichtete KHN-Programmleiterin Susanne Lettner. Wann der Umzug abgeschlossen sein wird, steht somit noch nicht fest.

Sylvia Schwarz, interimistische Ärztliche Direktorin des KHN, unterstrich die medizinischen Besonderheiten des Spitals. Darunter fallen das Notfallzentrum, wo Patienten nach Dringlichkeit eingestuft und dann in die entsprechenden Abteilungen weitergeleitet werden, das 16 Säle umfassende Operationszentrum, das eine hohe Auslastung dieser "teuersten Ressource eines Krankenhauses" garantieren soll, oder die gemeinsame Nutzung kostenaufwendiger Geräte durch mehrere Abteilungen.

Ziel des Konzepts sei es auch, die Aufenthaltsdauer der Patienten zu verkürzen. "Wien ist immer noch Meister der langen Liegezeiten", so Schwarz. Gelingen soll die Reduktion u.a. durch zügigere Diagnosen oder die chirurgische Tagesklinik. Um den Heilungsprozess zu beschleunigen, wird es in jedem Raum Tageslicht geben. Außerdem wird es keine Nachtaufnahmen in den Stationen geben, um Ruhe zu gewährleisten. Um das zu ermöglichen, stehen im Notfallzentrum 22 Betten zur Verfügung. Einen 47.000 Quadratmeter großen Garten wird es ebenfalls geben.

apa.at

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