zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 19. August 2014

Alpbacher Gesundheitsgespräche: Finanzieller Anreiz zum Abnehmen

Ein relativ kleiner finanzieller Anreiz zum Abnehmen reicht aus, um doppelt bis dreimal so viele Menschen zur Reduktion ihres Körpergewichts zu bringen. Das hat eine Studie von Experten der Linzer und der Innsbrucker Universität sowie der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) ergeben. Sie wurde Dienstag bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen präsentiert.

Peter McDonald, Stellvertretender Obmann der SVA zum Grundgedanken der Untersuchung, die in Wien über die Kundenzone der Versicherungsanstalt mit rund 650 Personen durchgeführt wurde: "Wer mehr Verantwortung für seine Gesundheit übernimmt, verliert weniger Lebensjahre an Krankheit. (...) Wären wir Schweden und nicht Österreicher, hätten wir statistisch sieben mehr gesunde Lebensjahre."

Die SVA hat in der jüngeren Vergangenheit mit "Selbstständig Gesund" ein Programm initiiert, mit dem die Versicherten in Zusammenarbeit mit ihrem Vertrauensarzt bei Erreichen bestimmter vereinbarter Gesundheitsziele weniger Selbstbehalt zahlen. Laut McDonald hat das beispielsweise die Frequenz der Gesundenuntersuchungen bei den SVA-Patienten im ersten Jahr um 40 Prozent gesteigert. 46.000 Versicherte nahmen an dem Programm teil.

In die gleiche Kerbe schlägt die am Dienstag präsentierte Studie von Martin Halla (Universität Innsbruck) und Gerald Pruckner (Johannes Kepler Universität/Linz) mit Mitteln des Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank und der SVA als Kooperationspartner. Rund 675 SVA-Versicherte, welche die Kundenzone in Wien aufsuchten, wurden aufgenommen. Sie hatten einen durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI) von 32,5, was erheblichem Übergewicht bzw. bereits Adipositas entspricht. Für eine Frau mit 1,65 Meter Körpergröße würde das 88 Kilogramm bedeuten, für einen Mann (1,80 Meter) ein Gewicht von 105 Kilogramm.

Rund 300 Teilnehmer wurden per Zufall einer Kontrollgruppe zugeteilt. Nach fünf und nach zehn Monaten wurde das Gewicht noch einmal kontrolliert. Für die zweite und die dritte Messung gab es 20 bzw. 40 Euro Entschädigung. Auch die beiden anderen Gruppen mit jeweils rund 175 Probanden erhielten die Aufwandsentschädigung, bekamen aber auch 150 Euro (Behandlungsgruppe 1) oder 300 Euro (Behandlungsgruppe 2) für das Erreichen einer Gewichtsabnahme von mindestens fünf Prozent als Prämie versprochen. Bis zum Ende der Studie stiegen jeweils zwischen 30 und 40 Prozent der Probanden aus.

Halla über die entscheidenden Ergebnisse: "In der Kontrollgruppe haben 17 Prozent eine fünfprozentige Abnahme des Körpergewichts geschafft. In der Behandlungsgruppe 1 (150 Euro Prämie; Anm.) waren es 31 Prozent und in der Behandlungsgruppe 2 (300 Euro Prämie; Anm.) 50 Prozent. Die Daten sind eindeutig." In der Kontrollgruppe gab es eine durchschnittliche Gewichtsabnahme um rund 1,9 Kilogramm, in den Behandlungsgruppe 1 und 2 waren es jeweils etwa minus 3,3 Kilogramm. Unter den Probanden, welche die höhere Prämie erhielten, kam es auch zu einem Zuwachs an Lebensqualität.

"Entscheidend ist nicht die Höhe des Anreizes, sondern, dass es ihn überhaupt gibt", sagte Martin Gleitsmann von der Wirtschaftskammer Österreich. Laut McDonald wird auch das Programm "Selbstständig Gesund" wissenschaftliche begleitet, um längerfristig Daten über die Auswirkung von finanziellen Anreizen auf das Gesundheitsverhalten zu bekommen. Seine Prämisse: "Wer auf sich und seine Gesundheit schaut, dem soll auch mehr Geld im Börsel bleiben."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben