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APA-Artikel 19. August 2014

Alpbacher Gesundheitsgespräche: Ohne "Big Data" keine Zukunft

Ohne "Big Data" in Sachen medizinischer und gesundheitspolitischer Forschung wird eine Weiterentwicklung des Gesundheitssystems nicht möglich sein. Doch faire Rahmenbedingungen für das Heben dieses Datenschatzes müssen erst geschaffen werden. Das ist das Ergebnis von rund 25 Expertenrunden bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen 2014.

In den Diskussionsrunden, deren Ergebnisse am Dienstag präsentiert wurden, ging es in elf Themenschwerpunkten zwischen Informationstechnologie, Genom- und Neurowissenschaften um ein Zukunftsszenario für das österreichische Gesundheitswesen im Jahr 2025. Josef Probst, Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger zum Arbeitskreis "Big Data": "Im Jahr 2025 gibt es eine mit den Bürgern entwickelte europäisch Strategie für 'Big Data' inklusive einer breiten und öffentlichen Forschungsstrategie in Sachen Gesundheit." Öffentlich finanzierte Forschungsprojekte und ihrer Ergebnisse müssten aber auch öffentlich nutzbar bleiben und dürften nicht allein privaten Patentinhabern überantwortet werden.

Für jene Diskussionsrunde, welche "Big Data" als Hintergrund für ein selbstbestimmtes Gesundheitsverhalten oder die Möglichkeit für eine geschickte Manipulation des Einzelnen behandelte, wird es im Jahr 2025 nicht mehr um "Big Data", sondern um "Smart Data" gehen. Bis dahin seien einerseits die Ziele für eine erfolgreiche Gesundheitsförderung erfüllt, andererseits die Standards, die notwendige Datenqualität für Analysen und die "Deutungshoheit" - wer interpretiert die individuellen oder öffentlichen Gesundheitsdaten - geklärt.

Auf dem Weg zu einer Wissensgesellschaft im Gesundheitswesen liegen aber noch erhebliche Stolpersteine, so eine dritte Diskussionsrunde unter Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Verbandes der pharmazeutischen Industrie (Pharmig): "Es fehlt an politischem Wille. Wir haben in Österreich schon jetzt sehr viele Daten in öffentlichen Institutionen, die nicht zur Verfügung gestellt werden." Oft werde offenbar unter der Prämisse gehandelt, dass das Nichtbereitstellen von Gesundheitsinformationen den Systemerhaltern im Gesundheitswesen ein eigenmächtiges Handeln leichter mache. Stattdessen benötige man Daten um im Gesundheitswesen Nutzen aus den Informationen zu ziehen. Die Etablierung eines "National Institute of Health" in Österreich sei genauso wichtig wie Richtlinien für die Erhebung und die Transparenz der Benutzung von Gesundheitsdaten.

Schließlich als weiteres Beispiel für die Diskussionen die Frage, welche Rolle die prädiktive Genetik, also die Untersuchung des Genoms des Einzelnen auf eventuell krankheitsfördernde Anlagen spielen wird: "Es muss ein 'Kann' bleiben, darf kein 'Muss' werden. Die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen muss garantiert sein. Der Mensch steht im Mittelpunkt", meinte Verena Gangl von der Universität Graz.

apa.at

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