zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 11. August 2014

Primärversorgung: Versäumnisse der Kassen schuld am Reformbedarf

Wenn die Sozialversicherung ihren gesetzlichen Auftrag über die Jahre ordentlich erfüllt und die Beiträge der Versicherten zu deren Gunsten in den Ausbau der ambulanten Medizin investiert hätte, wäre Österreich die aufgebauschte Diskussion um eine vorgeblich innovative Primärversorgung erspart geblieben. Mit diesen Worten reagierte heute der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, auf Aussagen des Hauptverbandsvorsitzenden Hans Jörg Schelling zur Primärversorgung.

Wechselberger: Kein Wille für echte Reformen erkennbar

Als Hauptkritikpunkte nannte Wechselberger "medizinisch veraltete" Leistungskataloge, zu wenige Kassenstellen und ein gänzlich leistungsfeindliches Honorarsystem. Auch die Koordination nichtärztlicher Gesundheitsberufe hätte die Sozialversicherung längst umsetzen müssen, "und zwar von Gesetz wegen, nicht erst im Zuge irgendwelcher Reformprojekte". "Der Bedarf an ambulanten Kassen-Logopäden, -Ergotherapeuten und -Pflegekräften - um nur einige Berufsgruppen zu nennen - ist ungeheuer groß, aber die Kassen zieren sich seit Jahrzehnten mit den Verträgen", so ÖÄK-Präsident Wechselberger. Mit dieser restriktiven Vertragspolitik trage die Sozialversicherung dazu bei, dass die Österreicherinnen und Österreicher öfter und länger im Spital sind als Patienten in vergleichbaren Ländern. Als "nur eines von vielen Beispielen" nannte er die ambulante Versorgung von Schlaganfallpatienten: Hausärztinnen und -ärzte bemühten sich immer wieder um eine möglichst frühe, effektive ambulante Versorgung der Patienten in ihrer gewohnten Umgebung, damit sich die Betroffenen so rasch wie möglich wieder in ihrem Alltag zurechtfinden. Es sei aber oft unmöglich, ohne Zeitverlust mobile Pflegekräfte oder Therapeuten mit Kassenvertrag zu finden. Viele Betroffene müssten so unnötig lange im Spital oder in Pflegestationen bleiben.

Steinhart: Kassen wollen möglichst wenig Geld für Versicherte ausgeben

Eine weitere Bestätigung der Kritik der Ärzteschaft sieht ÖÄK-Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte, Johannes Steinhart in der heute bekannt gewordenen Übererfüllung der "Kostendämpfungspfade" durch sämtliche Krankenkassen: "Egal, ob um neue medizinische Leistungen oder um längere Öffnungszeiten verhandelt wird, den Kassen geht es seit jeher nur darum, möglichst wenig Geld der Versicherten für die Versicherten auszugeben."

Damit würde auch der Wunsch von Hauptverbandschef Schelling nach verlängerten Öffnungszeiten so lange unerfüllt bleiben, solange es nicht genügend Vertragsärzte gebe. Durch degressive Honorarsysteme, die Ärzte bestrafen, wenn sie mehr arbeiten, würden Kassenstellen zusätzlich unattraktiv, so die Ärztevertreter, die von der Sozialversicherung mehr Mut zu echten Reformen einforderten. (ar)

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/162/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben