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APA-Artikel 6. August 2014

Experten fordern mehr Masernimpfungen im Gesundheitswesen

Seit Monaten läuft in Österreich eine Kampagne des Gesundheitsministeriums zur Propagierung der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR). Doch selbst im Gesundheitswesen gibt es laut den Spezialisten des Departments für Virologie der MedUni Wien offenbar erhebliche Immunisierungsmängel. Sie haben jetzt in der aktuellen Virusepidemiologischen Information Problemfälle aufgelistet.

Die Masern könnten bei einer Durchimpfungsrate von zumindest 95 Prozent der Bevölkerung eliminiert werden. Doch der Plan dazu scheitert in Europa seit Jahren. Der genannte Richtwert wird von Österreich derzeit noch nicht erreicht: In Österreich liegt die Rate bei den zweijährigen Kindern mit zwei Dosen der Kombinationsimpfung gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) zwischen 63 und 81 Prozent. Dabei handelt es sich bei den Masern um eine hoch ansteckende und potenziell gefährliche Infektion.

Keine Frage, besonders im Gesundheitswesen Tätige sollten wegen der speziellen Übertragungsgefahr geimpft sein. Doch das manchmal nicht der Fall. Die Wiener Virologin Heidemarie Holzmann in ihrer Darstellung: "Die prophylaktische MMR-Impfung ist für Mitarbeiter des Gesundheitswesens besonders wichtig, da es in diesem speziellen Kollektiv nicht nur um den persönlichen Schutz, sondern vor allem auch um den Schutz der betreuten Patienten vor diesen hoch infektiösen Erkrankungen geht, insbesondere wenn es sich dabei um Risikopatienten handelt, die schwer erkranken können bzw. auf eine Herdenimmunität (Beseitigung der Erkrankung durch ausreichenden Impfschutz in der Bevölkerung; Anm.) angewiesen sind."

Ein frappierender Fall, so die Expertin: In einem österreichischen Spital wird bei der regulären Einstellungsuntersuchung generell das gesamte Personal in vorbildlicher Weise auf den Immunstatus hinsichtlich durch Impfung vermeidbare Infektionskrankheiten überprüft.

Jedoch: "Eine Hebammenschülerin, die nur kurzfristig auf einer Entbindungsstation und im Kreißsaal eingesetzt wird, rutscht aber, weil sie als Praktikantin nicht regulär angestellt ist, durch dieses Sicherheitsnetz. Sie ist nicht MMR geimpft und entwickelt in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni die ersten unspezifischen Symptome einer Masernvirus-Infektion, in diesem Fall ein Krankheitsgefühl und Halsschmerzen."

Ins Spital kam sie zunächst nicht zurück, ein Arzt verschrieb (unwirksame) Antibiotika. Am 20. Juni kam die Frau mit hohem Fieber, Fieber, Kopf-und Gliederschmerzen sowie einem typischen Ausschlag in eine Spitalsambulanz. Nach der Diagnose mussten 58 Kontaktpersonen aufgesucht, auf ihren Impfstatus interviewt und untersucht werden. Die Hebammenschülerin war - bereits in der Inkubationszeit - bei drei Geburten anwesend gewesen (direkter Kontakt mit den Müttern und den Neugeborenen) und hatte - wie sich durch umfangreiche Recherchen herausstellte - Kontakt mit weiteren zehn Schwangeren bzw. jungen Müttern und 17 Neugeborenen/Säuglingen sowie mit 25 Personen des Personals.

Schwangere und Neugeborene können nicht mehr vorsorglich geimpft werden, für die Verabreichung einer passiven Impfung (Immunglobulin) war es bereits zu spät. Die Expertin: "Zum großen Glück waren 55 Personen, darunter das gesamte betroffene Personal, immun bzw. hatten durch die Mütter einen 'Nestschutz'. Nicht geschützt waren eine Mutter und ihr Neugeborenes bei dessen Geburt die Praktikantin anwesend war, sowie ein weiteres Neugeborenes einer ungeschützten Mutter." Es wurde niemand krank. Der Aufwand an Untersuchungen und für Aufklärungsgespräche wäre aber enorm gewesen. Die MMR-Impfung ist im Gratis-Kinderimpfprogramm enthalten. Unentgeltlich ist sie auch für Angehörige des Gesundheitswesens und für Erwachsene zum Nachholen der Impfung.

apa.at

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