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APA-Artikel 24. Juli 2014

Prozess gegen "Krebsarzt" in Salzburg wird erneut vertagt

Nach vier Verhandlungstagen wird der neu durchgeführte Prozess am Landesgericht Salzburg gegen einen 69-jährigen Arzt aus Deutschland wegen des Vorwurfs des schweren gewerbsmäßigen Betruges heute, Donnerstag, erneut vertagt. "Es müssen noch weitere Zeugen einvernommen werden", erläuterte Landesgerichtspräsident Hans Rathgeb gegenüber der APA die Vertagungsgründe.

Der Schöffen-Prozess unter dem Vorsitz von Richterin Anna-Sophia Geisselhofer hat im Jänner 2012 begonnen. Im August 2013 brachte die Staatsanwaltschaft eine zweite Anklage ein, im darauffolgenden Oktober wurde die Verhandlung wieder vertagt. Am vergangenen Montag wurde der Prozess neu durchgeführt, weil sich der Verteidiger des Dermatologen gegen die Verlesung der bisherigen Verhandlungsergebnisse ausgesprochen hat.

Die Vorwürfe gegen den Arzt, der in Bayern und Salzburg ordiniert hat, wiegen schwer: Er habe zehn krebskranke Patienten im Endstadium mit einer umstrittenen Eigenbluttherapie behandelt, eine Wirksamkeit der Methode vorgetäuscht und Heilung oder zumindest Lebensverlängerung versprochen. Für die Betrugshandlungen habe er insgesamt rund 150.000 Euro kassiert, lautete der Vorwurf.

Die Patienten sind alle gestorben. Der Angeklagte hatte bisher vehement seine Unschuld beteuert. Die von ihm angewandte Zelltherapie werde seit Jahren angewendet, auch in Österreich, und sei anerkannt, rechtfertigte sich der Dermatologe. Dass er das Wunder zur Heilung von Krebs erfunden hätte, sei "blanker Unsinn", hatte Verteidiger Peter Hauser erklärt. Sein Mandant versuche lediglich, durch Zellmanipulationen das Tumorgeschehen zu verringern, damit die Patienten "vielleicht besser, länger leben können, und sie auch wieder eine Chemo- oder Strahlentherapie oder Operation verkraften können". Der Arzt habe in den vergangenen Jahren rund 200 Patienten behandelt, diese hätten mit der Behandlungsmethode größtenteils positive Erfahrungen gemacht.

Einige Angehörige der mutmaßlichen Betrugs-Opfer haben den Arzt aber belastet. Er soll auch sechs Slowenen mit dieser offenbar zweifelhaften Eigenbluttherapie behandelt haben. In Bezug auf die slowenischen Fakten müssten noch weitere Zeugen einvernommen werden, sagte Landesgerichtspräsident Rathgeb. Wann der Prozess fortgesetzt wird, war vorerst noch nicht bekannt.

apa.at

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