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APA-Artikel 10. Juli 2014

HIV/Aids: Extrem gefährdete Personen erhalten am wenigsten Betreuung

HIV-Infektionen und Aids wären sehr gut zu verhindern und zu behandeln. Doch gerade jene Personengruppen, die durch die Immunschwächekrankheit am meisten gefährdet sind, erhalten am wenigsten Zugang zu Prophylaxe und Therapie. "Das bedroht weltweit den Fortschritt in der Bekämpfung von HIV/Aids", warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag in Genf.

Die Weltgesundheitsorganisation fordert spezielle Bemühungen zur Bereitstellung adäquater Hilfe für jene Personengruppen, die durch Lebensstil oder andere Umstände besonders durch Infektion mit dem HI-Virus und deren Folgen gefährdet sind: "Männer, die mit Männern Sex haben, Gefängnisinsassen, Personen, die sich Drogen injizieren, Sexarbeiter und Transgender."

So erklärte der aus Österreich stammende Chef der Abteilung für HIV der WHO, Gottfried Hirnschall: "Niemand aus diesen Gruppen lebt 'isoliert'. Sexarbeiter und ihre Kunden haben Ehemänner, Frauen und Partner. Manche injizieren Drogen. Viele haben Kinder." Weltweit lebten Ende 2013 rund 35,3 Millionen Menschen mit HIV. Jährlich sterben derzeit noch immer rund 1,6 Millionen Personen weltweit an Aids.

Die WHO hat deshalb neue Richtlinien für die Prävention, Diagnose, Behandlung und Betreuung (Sozialdienste, Pflege etc.) für die gefährdeten Gruppen formuliert. Sie sollen ab 20. Juli bei der Internationalen Aids-Konferenz in Melbourne präsentiert werden. Einer der neuen Kernpunkte in diesen Empfehlungen: Zum ersten Mal empfiehlt die WHO Homosexuellen, die Einnahme antiretroviraler Medikamente vor gleichgeschlechtlichen Sexkontakten als zusätzliche Prophylaxe (neben Kondomen) zu überlegen.

"Modellberechnungen zeigen, dass man mit einer solchen Prä-Expositionsprophylaxe bei Männern, die mit Männern Sex haben, eine Reduktion der HIV-Infektionsraten um 20 bis 25 Prozent erreichen kann. Damit könnte man in dieser Personengruppe innerhalb von zehn Jahren eine Million HIV-Infektionen verhindern", so die Weltgesundheitsorganisation. Prostituierte hätten das 14-fache Ansteckungsrisiko im Vergleich zu anderen Frauen, Männer, die mit Männern Sex haben, tragen die 19-fache Gefährdung. Transgender wiesen - ebenso wie i.v.-Drogenabhängige gar ein um den Faktor 50 gesteigertes Risiko auf.

Deshalb sollten gerade diese Bevölkerungsgruppen weltweit besonders guten Zugang zu Prophylaxe- und Betreuungsangeboten haben: Sicherstellung des Kondomgebrauchs, medikamentöse Prophylaxe, Medikamente nach risikobehafteten Kontakten, Angebot für Beschneidung auf freiwilliger Basis, Nadel-Tauschprogramme für i.v.-Drogenkonsumenten, Opiat-Substitutionstherapie, niederschwellige Angebote für HIV-Tests, HIV-Therapie für Infizierte. Besondere Bedeutung komme auch der Prophylaxe bei Schwangeren zu, stellt die WHO fest.

Zu dem Gesamtpaket gehören auch Angebote für Tests auf andere sexuell übertragbare Erkrankungen, hinzu kommen beispielsweise Vorsorgeuntersuchungen auf Gebärmutterhalskrebs und die Gewährleistung der Möglichkeit für einen sicheren Schwangerschaftsabbruch. Insgesamt müsste aber die Gesellschaft (Gesundheitswesen, Justiz, Recht, Soziales etc.) insgesamt gerade die am meisten durch HIV/Aids Gefährdeten unterstützen.

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apa.at

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