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APA-Artikel 4. Juli 2014

Viele Arztpraxen ohne Nachfolger - Gröhe will Hausärzte stärken

In einigen Jahren dürfte es in vielen Landstreichen Arztpraxen ohne Arzt geben - viele Mediziner finden keinen Nachfolger. Die Bundesregierung will gegensteuern.

Der Ärztemangel in Teilen Deutschlands macht sich immer stärker bemerkbar. Fast jeder vierte Haus- und Facharzt will in den kommenden fünf Jahren seine Praxis abgeben. Drei Viertel der Mediziner, die selbst einen Nachfolger suchen, haben Schwierigkeiten, fündig zu werden. Das zeigt der am Freitag in Berlin präsentierte Ärztemonitor 2014, eine Befragung des Instituts infas im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des NAV-Virchow-Bundes.

Die Stimmung bei den Medizinern ist gemischt. Mehr als 8 von 10 Ärzten und Psychotherapeuten würden ihren Beruf erneut ergreifen, aber 39 Prozent der Praxisärzte sind unzufrieden mit ihrer Wirtschaftslage. Nur 2 von 5 Ärzten sagen, sie hätten genug Zeit für die Behandlung ihrer Patienten. Zwar meinen mehr als 90 Prozent der Praxisärzte, sie könnten selbstständig arbeiten, Abstriche gibt es laut der Umfrage aber bei der Familienfreundlichkeit der Arbeit.

Die Ärzte identifizierten sich mit ihrer Arbeit, sagte KBV-Chef Andreas Gassen. Dirk Heinrich, Vorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, unterstrich aber, eine Arbeitsanfall von durchschnittlich 54 Arbeitsstunden bei täglich 45 behandelten Patienten belaste die Mediziner. Als Skandal wertete Gassen, dass 75 Prozent in ihrer Praxis keine ausreichende Altersvorsorge mehr sehen und somit zum Ende ihres Arbeitslebens offenbar zu wenig abgesichert seien.

Der Anteil der angestellten Ärzte stieg von 10 Prozent 2012 auf 15 Prozent. Rund jeder Zweite ist in einer Einzelpraxis tätig. Fast die Hälfte der Mediziner gibt bereits Aufgaben wie Medikation oder Wundpflege an nichtärztliches Personal ab.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte in Berlin, er wolle die Bedingungen und Strukturen für Hausärzte verbessern. Auch der Patientenbeauftragte Karl-Josef Laumann (CDU) nannte die Entwicklung bei den Hausärzten besorgniserregend - machte aber auch die Ärztevertreter selbst dafür verantwortlich.

"Zum einen müssen wir den Beruf an sich attraktiver machen - gerade was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht", sagte Laumann. Zum anderen brauche es finanzielle Anreize. Es gebe zwar entsprechende Instrumente. "Die Kassenärztlichen Vereinigungen machen davon jedoch kaum Gebrauch." Kämen sie ihren Aufgaben nicht nach, "müssen wir über Alternativen nachdenken".

apa.at

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