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APA-Artikel 1. Juli 2014

"Pille danach" seit fünf Jahren rezeptfrei: Positive Bilanz

Vor fünf Jahren ist die Rezeptfreistellung der "Pille danach" in Form der Vikela 1,5-mg-Tablette (Wirkstoff: Levonorgestrel) erfolgt. Das Konzept dieser Abgabeform habe sich bewährt, so die Bilanz von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) bei einer Podiumsdiskussion am Montag in Wien. Laut einer aktuellen Umfrage nutzten 31 Prozent der Österreicher nach einer "Verhütungspanne" das Medikament.

Die Umfrage, die von meinungsraum.at im Auftrag des Pharmaunternehmens Sanova durchgeführt wurde, ergab, dass 43 Prozent der je 500 befragten Österreicher und Österreicherinnen "in den letzten fünf Jahren einen 'Verhütungsunfall' hatten, bei dem das Risiko einer Schwangerschaft bestand", so Studienleiterin Roswitha Wachtler. Junge Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren waren mit 56 Prozent häufiger betroffen, bei der Gruppe der 40 bis 49-Jährigen waren es nur 31 Prozent. "90 Prozent aller Präparate werden in den Apotheken an Samstagen und Sonntagen verlangt", sagte Max Wellan, Präsident der Apothekerkammer.

31 Prozent der befragten Frauen gaben an, dass sie im Fall von ungeschütztem Geschlechtsverkehr die "Pille danach" eingenommen haben, ebenso viele haben einen Schwangerschaftstest gemacht. 39 Prozent setzten hingegen auf Abwarten und Hoffen, neun Prozent haben ein Kind bekommen, drei Prozent entschieden sich für einen Schwangerschaftsabbruch.

"Noch nie gab es so viele hochwirksame Verhütungsmethoden und trotzdem werden in Österreich noch immer geschätzte 30.000 ungewollte Schwangerschaften abgebrochen", kommentierte Christian Fiala, Vorstand der Europäischen Fachgesellschaft für Notfallverhütung (ECEC), die Lage. Als Grund nannte er "moderne Mythen", die dazu führen würden, dass man Hormone als schlecht propagieren würde. Dies hätte zur Folge, dass Frauen auf weniger wirksame Verhütungsmethoden zurückgreifen würden.

Erstaunlich groß war das Unwissen über die Wirkung: Nur 13 Prozent der Befragten wussten, dass die "Pille danach" nur den Eisprung verschiebt, 22 Prozent glaubten fälschlicherweise, dass mit der Einnahme der "Pille danach" eine bestehende Schwangerschaft abgebrochen werden würde.

In acht von zehn Fällen passieren Verhütungspannen innerhalb einer festen Beziehung oder Ehe - nur 18 Prozent bei losen Kontakten. 94 Prozent der Befragten kannten die "Pille danach", nur 39 Prozent der Frauen beantworteten die Aussage, dass man Vikela rezeptfrei in der Apotheke erhält mit einem klaren "trifft zu", 38 Prozent glaubten, dies wäre nur gegen Rezept möglich, 20 glaubten, man erhalte das Mittel nur beim Frauenarzt.

2010 wurde in Österreich ein weiteres Medikament zur Notfallkontrazeption mit der Substanz Ulipristalacetat als Wirkstoff ("ellaOne") zugelassen. Eine Tablette kann innerhalb von fünf Tagen nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden Vikela hingegen nur drei Tage. Spermien können jedoch bis zu fünf Tage lang überleben, so Doris Linsberger, Fachärztin für Gynäkologie, gegenüber der APA.

Die Freigabe von Vikela durch das Gesundheitsministerium erfolgte im Dezember 2009 aufgrund eines Antrags, den Gerot Pharmazeutika aus der Firmengruppe von Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) vor einigen Jahren gestellt hat. Die Wirkstofffreigabe hätte länger gedauert, weil diese nur über den Weg einer Verordnung - samt Begutachtung - möglich gewesen wäre.

apa.at

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