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APA-Artikel 30. Juni 2014

Primärversorgung - Beschlussvorlage lässt einige Fragen offen

Im Gesundheitsministerium werden heute, Montag, die Weichen für die neue ambulante Primärversorgung in Österreich gestellt. Künftig sollen Ärzte und andere Gesundheitsberufe für die Patienten besser zusammenarbeiten und die Spitäler entlasten - durch Vernetzung oder in neuen Gesundheitseinrichtungen. Ein Blick auf das zu beschließende Papier zeigt allerdings, dass noch einige Fragen offen bleiben.

Unklar sind vor allem Finanzierungsfragen. Die Jahre 2015 und 2016 - also jener Zeitraum, in dem man gerade einmal ein Prozent der Patienten in Primärversorgungseinrichtungen unterbringen will - will man noch aus den bisherigen Quellen finanzieren. Wie danach das Geld umgeschichtet werden soll, war - Stand Montagvormittag - zwischen Ländern und Sozialversicherung noch umstritten.

Ebenso offen sind die Fragen der Honorierung. Die Letztfassung des Konzepts - es liegt der APA vor - listet verschiedenste Varianten auf, von fixen Budgets (bzw. Gehalt) über Kopfpauschalen pro Patient, Fallpauschalen je Behandlungsfall, Einzelleistungsvergütung bis zu "Pay for Performance", also Bezahlung für das Erreichen bestimmter Ziele. Angepeilt wird jedenfalls eine "eigenständige gesamtvertragliche Vereinbarung". Sollte diese nicht zustande kommen, können von der Sozialversicherung "Sonder-Einzelverträge mit Zustimmung der zuständigen Ärztekammer" abgeschlossen werden, heißt es.

"Das Team um den Hausarzt" lautet der Titel der Beschlussvorlage, die am Nachmittag von der mit Vertretern von Bund, Ländern und Sozialversicherung besetzten Bundeszielsteuerungskommission beschlossen werden soll; ein Titel, mit dem wohl die bis zuletzt sehr skeptischen Ärzte besänftigt werden sollen. Ihre Rolle soll gestärkt werden, wird in dem Papier betont, sie übernehmen die "medizinische Leitung".

Die sonstige Organisation der Zusammenarbeit sollen sich die Teams in Organisationskonzepten selbst festlegen. Es sollen "alle möglichen gesellschaftsrechtlichen Organisationsformen" anwendbar sein. Angedacht ist entweder die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit von Freiberuflern, ärztliche Gruppenpraxen mit Angestellten (oder vertraglich gebundenen Kooperationspartnern) aus anderen Berufsgruppen oder aber Ambulatorien.

Positiv für die von der Ärztekammer vertretenen Mediziner: Am System der Gesamtverträge soll nicht gerüttelt werden, und man will die Ärzte "ausdrücklich nicht in eine neue Struktur zwingen", heißt es. Vielmehr sollen "zukünftigen Einsteigern" neue Wege eröffnet werden.

Für die tatsächliche Umsetzung ist aber noch einiges offen, wie die Autoren selbst einräumen. So müssen - neben den Finanzierungs- und Honorierungsfragen - auch die rechtlichen Voraussetzungen für die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen erst geschaffen werden.

Für die Patienten sollen die Primärversorgungseinrichtungen zur ersten Anlaufstelle im Gesundheitssystem werden. Sie sollen örtlich und zeitlich gut erreichbar sein (auch am Abend, am Wochenende, per Telefon und Web und durch Hausbesuche), neben Krankheitsbehandlung auch Gesundheitsförderung und Prävention anbieten und die Lotsenfunktion durch das gesamte Gesundheitswesen übernehmen. Die freie Arztwahl bleibt bestehen, Patienten sollen sich aber über längere Phasen (über das Quartal hinaus) binden können.

apa.at

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