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APA-Artikel 30. Juni 2014

Medizin-Studium: Agentur wirbt in Österreich für Unis im Ausland

Ein EU-weit anerkanntes Medizin-Studium ohne Numerus Clausus (NC) und Wartezeit verspricht die deutsche Auslandsagentur MediStart - und wirbt dafür auch bei österreichischen Maturanten. Gegen eine Gebühr (1.900 Euro für Beratung, bei erfolgreichem Aufnahmeverfahren 5.900) vermittelt sie Studenten an Medizin-Unis in Mittel- und Osteuropa. Doch auch dort warten Tests und teils hohe Studiengebühren.

Schon seit 20 Jahren weichen deutsche Maturanten wegen des NC, durch den nur die besten Schüler einen Platz erhalten, und bis zu sechsjährigen Wartezeiten für Interessenten mit schlechterem Abi-Schnitt für das Medizin-Studium ins Ausland aus. In Österreich gibt es zwar keinen NC, allerdings wurden 2005 Platzbeschränkungen und ein Aufnahmeverfahren eingeführt - zuletzt gab es 12.600 Bewerber für 1.560 Plätze.

Anfang 2013 haben mehrere Anwälte, die sich schon davor jahrelang mit Planung und Koordination von Auslandsstudien für NC-Flüchtlinge beschäftigt haben, MediStart initiiert - ein Unternehmen, das Maturanten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden Medizin-Studienplätze an ausländischen Unis vermittelt. Gänzlich offen ist der Uni-Zugang allerdings auch dort nicht, es gibt an fast allen der 20 Unis Aufnahmetests bzw. Bewerbungsgespräche. "Das Auswahlverfahren ist komplex und für leistungsstarke Bewerber geeignet", heißt es auf der MediStart-Seite etwa über die Zugangskriterien für die University of Split School of Medicine (Kroatien). Bei der Medical University Pleven (Bulgarien) heißt es vielversprechend: "Mit einer geschickten Bewerbung sind die Aufnahmechancen hoch." Zu den Zugangskriterien kommen je nach Uni Studiengebühren von 2.500 bis 10.000 Euro pro Semester.

"Wo Not ist, bilden sich auch schwarze Schafe heraus", erklärt MediStart-Studienberater Adrian Kaiser den Bedarf nach dem Angebot der Agentur. Diese wähle nämlich jene deutsch- oder englischsprachigen Medizin-Studien aus, deren Abschlüsse in den Heimatländern der Studenten unmittelbar anerkannt werden. Österreichische Maturanten zieht es dabei laut Kaiser vor allem an die Comenius Universität in Bratislava und die Universität im bulgarischen Varna, beide Studiengänge sind englischsprachig.

Außerdem wird von MediStart ein Modell angeboten, das, wie Kaiser schildert, vor allem deutsche Maturanten in Anspruch nehmen: Indem Studien ausgewählt werden, die jenen in Deutschland sehr ähnlich sind, soll angehenden Medizinern der Quereinstieg in den höheren Fachsemestern ermöglicht werden - bei Patientenkontakten muss nämlich die Landessprache beherrscht werden.

Die Leistung von MediStart beginnt mit der Beratung, für welche Uni man sich bewerben soll, und endet mit dem Abschluss bzw. dem Quereinstieg in einem höheren Semester im Heimatland per "Quereinstiegs-Studienplatzklage". Die Aufnahmeprüfung kann direkt im Heimatland absolviert werden. Davor gibt es Vorbereitungskurse "teilweise sogar mit ihren Prüfern als Dozenten", wie MediStart auf seiner Homepage wirbt.

Mehrere hundert deutschsprachige Studenten gehen im Jahr an eine ausländische Medizin-Uni, sagt Kaiser zur APA. Tendenz steigend. "Viele sind nicht bereit, sechs Jahre zu warten oder sich mit den hohen Durchfallquoten in Österreich abzufinden." Auch in Österreich kennt man das Phänomen der Quereinsteiger: Allein an der Medizin-Uni Wien gibt es jährlich rund 50 Anträge auf Quereinstieg, 15 bis 20 pro Jahr werden positiv beurteilt. "Ein Wechsel ist also möglich", wird dort auf APA-Anfrage bestätigt. Voraussetzung ist freilich, dass es - etwa durch Drop-Outs - überhaupt freie Studienplätze gibt.

apa.at

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