zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 26. Juni 2014

D: Kampf um kleine Krankenhäuser - Experten für Schließungen

Krankenhäuser unter Druck: Hunderte sind von der Schließung bedroht. Experten raten: Besser ein geordneter Wandel, als ein langsames Kliniksterben - das wäre auch im Sinne der Patienten.

Landauf, landab kämpfen Bürgermeister und Landräte um den Erhalt der örtlichen Krankenhäuser - nach Ansicht von Wirtschaftsexperten stehen sie dabei oft auf verlorenem Posten. "Jedes siebte Krankenhaus könnte man vom Markt nehmen", sagt Boris Augurzky vom Forschungsinstitut RWI bei der Vorstellung des Krankenhaus Rating Reports 2014. Die wirtschaftliche Lage vieler Kliniken sei schlecht. Wird die Klinik-Krise zum Patienten-Problem?

Die Autoren des Reports haben eine ökonomische Perspektive - nehmen aber für sich in Anspruch, durchaus auch im Sinne der Versicherten zu argumentieren. "Als Patient wollen sie in kein Krankenhaus, das seit Jahren Stellen nicht besetzen kann", sagt Mitautor Sebastian Krolop von der Beratungsfirma Accenture. Seiner Ansicht nach muss das aber auch nicht sein.

Wie ist die Lage der Häuser? Schreckensmeldungen von Kliniken in den Miesen gibt es seit Jahren. Tatsächlich ist die Zahl der Krankenhäuser in den vergangenen Jahren gesunken, zuletzt aber nur leicht: 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent auf 2017. Doch die Zahl der Häuser, die sich erhöhter Pleitegefahr gegenübersehen, nahm auf 16 Prozent zu - 13 Prozent der Häuser droht in den kommenden Jahren das Aus.

Was ist zu tun? Die Experten sind sich mit den Krankenkassen weitgehend einig: Deutschland könnte mit weniger Krankenhäusern gut leben. "In Holland leben so viele Menschen wie in Nordrhein-Westfalen, trotzdem kommen die Holländer mit etwas mehr als 100 Kliniken aus, während es in NRW 400 Kliniken gibt", heißt es beim Kassen-Spitzenverband.

Augurzky sieht es so: Gerade kleine Häuser haben oft wenig Chancen. Sie sollten Finanzhilfe bekommen - aber nicht, um sich irgendwie über Wasser zu halten. Sondern für eine geordnete Schließung, eine Umwandlung in ambulante Zentren oder zur Verlagerung ihrer Betten an größere Häuser, die mit Spezialisierung den Patienten bei geplanten Eingriffen mehr Qualität und Sicherheit bieten können. Bei Notfällen sollten Patienten aber auch weiterhin schnell in der Nähe Hilfe bekommen - auch dafür kann neues Geld nötig sein.

Begleitet von großen Versprechen beraten Bund und Länder bereits über eine Therapie für die Krankenhäuser. Eine Arbeitsgruppe tagt am Montag zum zweiten Mal. Aber billiger dürfte es auch im Fall einer kleineren Klinikzahl nicht werden. Entsprechend hatte sich schon zum Start der Verhandlungen angedeutet, dass das Projekt Klinik-Reform alles andere als einfach wird.

In den Ländern gibt es starke Vorbehalte gegen die von den Experten und Kassen geforderte Bereinigung der Kliniklandschaft. Und trotz des Investitionsstaus, der laut dem neuen Report 15 Milliarden Euro beträgt und für den die Länder verantwortlich sind, dürften diese ihre Investitionsmittel kaum drastisch aufstocken. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zeigt sich seinerseits wenig freigiebig, was frisches Geld des Bundes anbelangt.

Stattdessen könnten die Krankenkassen mehr zahlen müssen - freilich stiegen ihre Ausgaben für die Kliniken im vergangenen Jahr schon auf mehr als 64 Milliarden Euro. Für CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn ist klar, "dass immer neues Geld nach dem Gießkannenprinzip ins System zu geben keine Lösung ist".

Die Krankenhausträger wollen von einer Bereinigung ohnehin nichts wissen. Der Geschäftsführer ihres Verbands, Georg Baum, fordert von Bund und Ländern die "Zukunftssicherung" der Branche - vor allem durch eine Beteiligung des Bundes an den Investitionsmitteln in Höhe von drei Milliarden Euro. Daraus dürfte nach heutigem Stand nicht viel werden - aber ein anderer, von den Autoren des jährlich erscheinenden Rating Reports schon früher gemachter Vorschlag wird von Bund und Ländern beraten.

Es geht um einen Investitionsfonds, aus dem die Umwandlung von Kliniken etwa in Gesundheitseinrichtungen für Ältere gefördert werden könnte. Co-Autor Krolop lobt, dass Strukturveränderungen damit geregelt ablaufen könnten. "Das ist besser, als das, was wir jetzt haben, nämlich dass Krankenhäuser langsam ausbluten."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben