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APA-Artikel 26. Juni 2014

Krank zu den Kranken: Spitalsbeschäftigte sehen ihre Gesundheit durch die Spitalsreform gefährdet

Beschäftigte in den oberösterreichischen Spitälern leiden unter Zeitdruck sowie bürokratischen und organisatorischen Anforderungen. Dadurch steigen die psychischen Belastungen. Laut einer aktuellen IFES-Erhebung im Auftrag der AK Oberösterreich sind die Arbeitnehmer/-innen besorgt, dass sich diese Probleme durch die Spitalsreform verschärfen. Sie haben Angst, dass die Spitalsreform eine Gefahr für ihre eigene Gesundheit bringen wird.

In der Wahrnehmung der Beschäftigten ist die Spitalsreform ausschließlich auf Einsparungen fokussiert und macht ihnen Angst: Beinahe 80 Prozent rechnen laut einer aktuellen IFES-Studie im Auftrag der AK Oberösterreich mit negativen Auswirkungen der Reform auf ihr berufliches Umfeld. Die größten Nachteile erwarten sie für die Qualität der Patientenversorgung, was auch negative Auswirkungen auf die sinnstiftende Ressource dieses Berufs hat, sowie hinsichtlich Arbeitsbelastungen und Zeitdruck.

46 Prozent der Beschäftigten fühlen sich schon jetzt durch ihre aufreibende Arbeit psychisch-seelisch belastet. Im Durchschnitt aller Berufsgruppen sind es nur 13 Prozent. Ein großer Teil der gesundheitlichen Beschwerden resultiert aus der beruflichen Tätigkeit.

42 Prozent der Beschäftigten geben an, auch krank zur Arbeit zu gehen - aus Rücksicht auf die Kollegen/-innen, um Ausfälle abzufangen oder weil zu wenig Personal da ist. Jede/-r Fünfte geht krank zur Arbeit weil sie/er Konsequenzen fürchtet. Viele berichten, länger an Krankheiten zu laborieren als notwendig. Und sie beklagen, ihre Arbeit weniger konzentriert verrichten zu können, als sie das gerne würden.

"Die Beschäftigten sind bereit, die eigene Gesundheit zu riskieren, um die Patienten/-innen nicht im Stich zu lassen. Die Personal- und Ressourcenverantwortlichen in den Spitälern scheinen das billigend in Kauf zu nehmen und in die Kalkulationen einfließen zu lassen", kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Die Einhaltung des Mindestpflegeschlüssels gewährleistet keine gesundheitsförderliche Personalbemessung. Es ist daher dringend nötig, mehr Pflegepersonal einzustellen und die Arbeitsbedingungen in den Spitälern zu verbessern. "Sparen auf Kosten der Beschäftigten kann nicht länger akzeptiert werden", sagt Kalliauer. Eine nachhaltige Finanzierung der Spitäler und der Pflege als öffentliche Aufgaben muss sichergestellt werden. Die gesetzlichen Arbeitnehmerschutzbestimmungen müssen auch in den Spitälern eingehalten, krankmachende Arbeitsbedingungen vermieden und die betriebliche Gesundheitsförderung forciert werden.

Psychische und physische Belastungen müssen - wie im Gesetz festgelegt - dringend evaluiert werden. Dabei müssen die Mitarbeiter/-innen eingebunden werden. Die Ergebnisse müssen transparent gemacht und Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen im stationären und mobilen Bereich umgesetzt werden.

apa.ots

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