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APA-Artikel 26. Juni 2014

Haft- und Geldstrafe für steirischen Arzt wegen fahrlässiger Tötung

Ein praktischer Arzt ist am Mittwoch im Grazer Straflandesgericht wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen zu sechs Monaten bedingter Haft und einer Geldstrafe von 14.400 Euro verurteilt worden. Er hatte einer Patientin sechs Jahre lang ein starkes Schmerzmittel verschrieben, dann starb die Frau an einer Magenblutung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Nachdem sich die Frau 2006 den Oberschenkelhals gebrochen hatte, litt sie unter starken Schmerzen beim Gehen. Der Angeklagte, der seit 30 Jahren ihr Hausarzt war, verschrieb ihr Tabletten, die man eigentlich nur einige Wochen nehmen sollte. Außerdem, so Staatsanwältin Hannelore Verbic, sei die Dosis eher hoch gewesen, auch hätten die regelmäßigen Laborkontrollen gefehlt. Dazu kam, dass auch ein Magenschutzmittel, den die Frau hätte nehmen müssen, in den Unterlagen nicht aufscheint.

Der Verteidiger führte an, dass die Nebenwirkungen auf älteren Beipackzettel dieses Medikaments "noch nicht so kritisch beschrieben werden." Dort wird auch eine weit höhere Dosis als von der Frau eingenommen als empfohlene Tagesdosis angegeben.

Der Arzt fühlte sich nicht schuldig. Auf die Frage, warum er ihr kein Magenschutzpräparat verschrieben habe, antwortete der Angeklagte: "Ich habe ihr immer wieder Ärztemuster gegeben." Am 23. Mai 2012 kam die 87-Jährige zu ihm und klagte über Schmerzen in Brust und Magen. "Sie war blass, anämisch, sehr schwach", schilderte der Arzt. Er rief sofort die Rettung, und die Frau wurde ins Krankenhaus gebracht, wo sie wenige Tage später starb. "Was könnte die Ursache für die Magenblutung gewesen sein?", fragte Richter Erik Nauta. "Sie hat das schon einmal gehabt, mit dem Alter steigt die Anfälligkeit", meinte der Arzt, der auch betonte: "Zum Schmerzmittel gab es keine Alternative, eine Operation lehnte sie ab."

Nach mehr als sieben Stunden Verhandlung wurde der Arzt schließlich schuldig gesprochen. Er muss 14.400 Euro zahlen, die Haftstrafe von sechs Monaten wurde bedingt verhängt. Der Angeklagte meldete sofort volle Berufung an, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

apa.at

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