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APA-Artikel 23. Juni 2014

CH: Kampf mit Zahlen gegen getrennte Zusatz- und Grundversicherung

Der Krankenkassen-Dachverband santésuisse macht mobil gegen die strikte Trennung von Grund- und Zusatzversicherung. Würde dieser Vorschlag des Bundesrates umgesetzt, würde das rund 400 Millionen Franken im Jahr kosten. Die Versicherten müssten mitbezahlen.

Das teilte santésuisse am Montag gestützt auf eine in Bern vorgestellte Studie von The Boston Consulting Group (BCG) mit. BCG hat errechnet, wie der stark umstrittene Vorschlag im Vergleich zur heutigen Situation zu Buche schlagen würde.

Gründe für die Mehrkosten sind laut der Studie vor allem wegfallende Synergieeffekte. Für alle Versicherten mit Grund- und Zusatzversicherung müssten künftig zwei völlig getrennte Dossiers geführt werden. Die Kassen müssten Administrationen aufteilen und hätten damit mehr Kosten für Personal und Infrastruktur.

Die Verwaltungskosten würden laut den Studienautoren auf beiden Seiten etwa im selben Mass steigen. Santésuisse macht weiter geltend, dass 80 Prozent der Zusatzversicherten den gewählten "Service aus einer Hand" verlieren würden. Wer sich bei zwei Kassen versichern wolle, könne das schon heute so handhaben.

Mit einer Trennung hätten Zusatzversicherte einen administrativen Mehraufwand. Und alle Versicherten müssten wegen der 400 Millionen Franken Mehrkosten tiefer ins Portemonnaie greifen, warnte Marcel Thom vom Projektteam der BCG. Für eine vierköpfige Familie liege der Aufschlag bei rund 200 Franken pro Jahr, "ohne zusätzlichen Nutzen".

Der Bundesrat schätzt in seiner Botschaft ans Parlament, dass der Systemwechsel für die gesamte Branche jährliche Kosten von rund 10 Millionen Franken verursache. Verglichen mit den errechneten rund 400 Millionen sei das "eine Unterschätzung von mindestens Faktor 40", sagte Thom dazu.

Die basierend auf "scharfen Zahlen" von Krankenkassen errechneten 400 Millionen Franken seien zudem eine Minimalvariante. Im Betrag nicht enthalten seien die einmaligen Kosten für die Anpassung des Systems. Diese Kosten veranschlagt der Bundesrat auf weitere 10 Millionen Franken.

Die Landesregierung möchte, dass eine einzige Gesellschaft nicht mehr Grund- und Zusatzversicherung anbieten darf. Gruppen, die die Grundversicherung anbieten, müssen mit einer "Informationssperre" sicherstellen, dass es keinen Datenaustausch gibt zwischen der Grundversicherung und ihren übrigen Versicherungsgesellschaften.

Leistungen von Grund- und Zusatzversicherung müssen die Versicherer über getrennte Datenbanken abrechnen. Hingegen sollen Logistik und zentrale Dienste weiterhin gemeinsam von der gesamten Gruppe genutzt werden können.

Mit seinem Vorschlag will der Bundesrat für mehr Transparenz sorgen. Die Trennung soll Quersubventionierungen verhindern. Die zusätzliche Schranke zwischen Grund- und Zusatzversicherung soll den Datenschutz verbessern und der Selektion von guten Risiken entgegenwirken.

Diese Änderung des Krankenversicherungsgesetzes dürfte im Parlament einen schweren Stand haben. Sie ist Teil eines Gegenvorschlags, den der Bundesrat anfänglich zur Einheitskassen-Volksinitiative hatte vorlegen wollen, aber nach harscher Kritik darauf verzichtete. Schon damals hatte santésuisse das Vorhaben skeptisch beurteilt.

Über die Volksinitiative für die Schaffung einer öffentlichen Krankenkasse wird am kommenden 28. September abgestimmt. Hinter dem Begehren stehen SP und Grüne sowie Konsumenten- und Patientenorganisationen.

apa.at

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