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APA-Artikel 16. Juni 2014

Primärversorgung - Kammer lobbyiert für Ärzte im Mittelpunkt

Die Pläne von Politik und Sozialversicherung zur Primärversorgung im Gesundheitswesen lassen bei der Österreichischen Ärztekammer die Alarmglocken schrillen. Befürchtet wird, dass die niedergelassenen Mediziner ihre zentrale Rolle im System verlieren könnten. Eine Lobbyingoffensive soll das aus Ärztesicht schlimmste verhindern. Stichtag ist der 30. Juni, wenn die Neuordnung abgesegnet wird.

"Die Letztverantwortung muss beim Arzt bleiben", formulierte Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger nach der jüngsten Gesprächsrunde in der Sozialversicherung seine Prämisse. Alles andere sei undenkbar, denn: "Wir sind kein medizinisches Notstandsgebiet." Und, so der Kammer-Chef vor Journalisten: "Ich erwarte mir das Bekenntnis der Entscheidungsträger zu diesem bestehenden System."

Vor allem in allen medizinischen Fragen müssten die niedergelassenen Mediziner erste Ansprechpartner bleiben, außerdem müsse ihre Koordinationsfunktion als Leistung anerkannt - sprich: bezahlt - werden. In der Kammer wird befürchtet, dass sich die Ärzte mit der Reform einem "nicht nachvollziehbaren Teamcluster" (gemeinsam mit Berufsgruppen wie Physiotherapeuten und Pflegekräften, Anm.) unterordnen müssen.

Mit dem Konzept der Primärversorgung, das zentraler Teil der jüngsten Gesundheitsreform ist, sollen die Patienten an ihrem Wohnort von Teams betreut werden, in denen (wie Gesundheitsministerium und Sozialversicherung stets betonen) der Hausarzt eine zentrale Rolle spielt. Ein Pilotprojekt soll noch heuer in Enns starten. Die Ärzte trauen diesen Versprechungen aber nicht. Ein jüngst aufgetauchtes Arbeitspapier hat diese Befürchtungen befeuert.

Der Teufel steckt aus Wechselbergers Sicht im Detail, denn grundsätzlich seien alle Beteiligten für die Primärversorgung. Die Frage sei aber, ob die ambulante Versorgung in Österreich wie bisher in Arztpraxen, oder in anderen zentralistisch vorgegebenen Versorgungsstrukturen geschehe. Außerdem stelle sich die Frage, ob bei der - wünschenswerten - Verlagerung aus dem Spital auch das Geld der Leistung folge.

Vizepräsident Johannes Steinhart teilt diese Sorgen. Während die Wiener Ärztekammer die" Zerstörung der hausärztlichen Versorgung mit allen demokratischen Mitteln" bekämpfen will, setzt er diesmal auf sanftere Töne. Dennoch ist auch für ihn "nicht vorstellbar, dass am 30. Juni die Entscheidung fällt, und dann ist das gesamte Gesundheitssystem in Österreich auf einer neuen Basis oder neuen Schiene." Beim Kammertag in zwei Wochen wollen die Ärzte informieren, ansonsten setzen sie auf den Verhandlungsweg. Wechselberger: "Ich glaube, dass sich die Dinge noch bewegen, verändern können. Da wollen wir dabei sein."

apa.at

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