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APA-Artikel 4. Juni 2014

Österreich ist Vorreiter in der Behandlung von Kinderkrebs

Europaweit liegt die Überlebensrate von an Krebs erkrankten Kindern in den ersten fünf Jahren bei 81 Prozent. In Österreich sind es mehr als 87 Prozent. Damit ist Österreich europäischer Spitzenreiter in der erfolgreichen Behandlung von Kinderkrebs. Experten waren sich, im Rahmen einer Podiumsdiskussion im St. Anna Kinderspital, einig, dass der medizinische und wissenschaftliche Fortschritt sowie die umfassende psychosoziale Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen für diesen Erfolg ausschlaggebend sind. Handlungsbedarf besteht jedoch, im Sinne der Lebensqualität der Betroffenen, in der kontinuierlichen und spezialisierten Nachsorge. Hier steht Österreich noch am Beginn einer dringend notwendigen Entwicklung.

Laut einer europaweiten Studie (EUROCARE-5), die im Zeitraum von 1999 bis 2007 das Überleben von knapp 60.000 an Krebs erkrankten Kinder bis zu einem Alter von 14 Jahren untersuchte, überlebten in den ersten fünf Jahren durchschnittlich 81,2 Prozent (1) der Patienten. In Österreich waren es 87,7 Prozent, wie die renommierte internationale Fachzeitschrift "The Lancet Oncology" 2013 berichtete. Dieses Ergebnis unterstreicht einmal mehr die hohe Qualität und Expertise in der Krebsbehandlung von Kindern und Jugendlichen in Österreich. Die Größe unseres Landes und die interdisziplinäre Zusammenarbeit von ÄrztInnen aller medizinischer Fachrichtungen, gemeinsam mit der Pflege und den psychosozialen MitarbeiterInnen, in engster Kooperation mit einem Forschungsinstitut, in dem Forschung auf international höchstem Niveau durchgeführt wird, ist ein herausragendes Merkmal der österreichischen Versorgung und in dieser Konstellation einzigartig.

Neben der medizinischen Behandlung und der intensiven pflegerischen Betreuung, ist auch die Unterstützung der krebskranken Kinder und deren Familien durch Mitarbeiter aus Psychologie, Sozialarbeit, Kunst- und Musiktherapie, Kindergartenpädagogik, Schule und Seelsorge notwendig für eine positive Krankheitsbewältigung, wie in dem Buch "Das krebskranke Kind und sein Umfeld" ausführlich beschrieben wird. Mit den stetig steigenden und sehr erfreulichen Überlebensraten der letzten Jahrzehnte steigt jedoch auch der Bedarf nach entsprechenden Nachsorgekonzepten. Die Versorgungslücke in der Kinderonkologie liegt derzeit im Fehlen der medizinischen und psychosozialen Langzeitnachsorge, die aber in Bezug auf mögliche Spätfolgen als Gesundheitsvorsorge von großer Relevanz wäre. Österreich steht hier, trotz einiger erfolgreicher Projekte, am Beginn einer dringend notwendigen Entwicklung. Trotz jahrelanger Bemühungen für krebskranke Kinder, gehen viele Betroffene noch immer ohne optimale Bedingungen in das "Leben danach". Um den speziellen Anforderungen und Bedürfnissen der an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen besser gerecht zu werden, sind die zwei großen Ziele des geplanten nationalen Krebsprogramm, das derzeit im Gesundheitsministerium in Zusammenarbeit mit dem Onkologiebeirat fertig gestellt wird, die bedarfsorientierte Bereitstellung einer familienorientierten stationären Rehabilitation und die Implementierung eines "Survivorship Passports" für an Krebs erkrankte Kinder und Jugendliche. Nun sind Politik, Entscheidungsträger und Organisationen gleichermaßen gefordert, die hochgesteckten Ziele rasch umzusetzen, damit die Kinder und Jugendlichen ihre zweite Chance, die sie in jungen Jahren durch ihren Kampf gegen den Krebs ergriffen haben, auch weiterhin gut nutzen können.

(1) Hirntumoren wegen länderweise unterschiedlicher Klassifikation exkludiert

apa.at

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