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APA-Artikel 28. Mai 2014

Gesundheitsreform garantiert bessere Versorgung in den Ländern

Aktuelle Themen aus dem Gesundheitsbereich standen im Mittelpunkt der Fragestunde des Bundesrats, mit der die heutige Sitzung eingeleitet wurde. Die Ländervertreter interessierten sich u.a. für den Stand der Umsetzung der Gesundheitsreform, für das neue Brustkrebsfrüherkennungs-Programm, für das Problem des Ärztemangels im ländlichen Raum sowie für Maßnahmen im Bereich der Prävention.

Verbesserung der Primärversorgung im ländlichen Raum und Reform der Ärzteausbildung

Was unternimmt die Regierung zur Sicherung der flächendeckenden und wohnortnahen allgemeinmedizinischen Versorgung durch HausärztInnen und LandärztInnen, fragte eingangs Bundesrat Friedrich Reisinger (V/S). Auch Christian Jachs (V/O) sprach den drohenden Ärztemangel und die zunehmende Tendenz zur Abwanderung der MedizinerInnen ins benachbarte Ausland an. Heidelinde Reiter (G/S) gab zu bedenken, dass laut Berechnungen der Ärztekammer zwischen 40 % und 50 % der Absolventen der medizinischen Universitäten nicht in Österreich bleiben wollen. Schließlich erkundigte sich noch Bundesrätin Adelheid Ebner (S/N) danach, welche Schritte gesetzt werden, um der ihrer Meinung nach schwach ausgeprägten ambulanten allgemeinmedizinischen Versorgung in Österreich gegenzusteuern.

Bundesminister Alois Stöger informierte eingangs darüber, dass Österreich die zweithöchste Ärztedichte in ganz Europa aufweist. Es sei allerdings richtig, dass es in manchen Fachbereichen einen Bedarf an MedizinerInnen gibt. Neben der Stärkung der Primärversorgung besonders in den Regionen gehe es daher um die Förderung von Kooperationsformen zwischen den ÄrztInnen (z.B. Gemeinschaftspraxen), um eine bessere medizinischen Versorgung in den so genannten Randzeiten sowie um eine gute Koordination mit anderen Berufsgruppen (wie z.B. Krankenpflege); die Basis für die Erreichung all dieser Ziele sei bereits im vorigen Jahr durch den Beschluss der Gesundheitsreform gelegt worden. Allein schon durch die demographische Entwicklung sei man gefordert, für eine optimale und möglichst wohnortnahe Behandlung vor allem von chronischen Krankheiten zu sorgen, wobei nicht die Bedürfnisse der Institutionen, sondern jene der PatientInnen im Mittelpunkt stehen. Und genau diesen Aspekt müsse man bei der Ausgestaltung der adäquaten Versorgungsprozesse, was u.a. auch die Stärkung der AllgemeinmedizinerInnen oder die Frage der Hausapotheken inkludiert, immer im Auge haben, hob Stöger hervor.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Neugestaltung der Ärzteausbildung, führte der Minister weiter aus. Er habe bereits eine Kommission - bestehend aus VertreterInnen der Ärztekammer, der Universitäten und der Länder - eingesetzt, die sich mit dieser Frage befasst. Die Vorarbeiten für einen entsprechenden Entwurf befänden sich bereits in der Endphase. Ein Fokus soll dabei auf der praktischen Ausbildung liegen, was unter anderem dazu dienen soll, den jungen Menschen die Scheu zu nehmen, selbständig in einer Ordination auf dem Land zu arbeiten. Ein weiteres Anliegen war dem Minister die Entwicklung von neuen Arbeitsmodellen (z.B. mehr Teilzeitmöglichkeiten), damit Beruf und Familie besser vereinbar werden. Denn wenn die ÄrztInnen gute Arbeitsbedingungen vorfinden, dann werde sich auch das Problem der Abwanderung in das Ausland nicht mehr so stellen, war Stöger überzeugt. Zum Thema Lehrpraxen - Inhalt einiger Zusatzfragen - gab Stöger bekannt, dass im Bundesbudget eine Förderung (900.000 €), aber keine Grundfinanzierung, vorgesehen sei.

Stöger: Höchste Standards beim Brustkrebsfrüherkennungs-Programm

Zahlreiche Fragen drehten sich rund um das neue Brustkrebsfrüherkennungs-Programm. Während Bundesrätin Johanna Köberl (S/S) davon überzeugt war, dass nunmehr jede Frau die notwendigen Untersuchungen bei Einhaltung höchster Qualitätsstandards erhält, zeigten sich andere Redner, wie z.B. Bundesrat Josef Saller (V/S), besorgt über die offenbar noch geringe Beteiligung am Mammographie- Screening.

Bisher seien im Rahmen der Sozialversicherung etwa 45 Mio. € für Mammographie-Untersuchungen ausgegeben worden, stellte Gesundheitsminister Alois Stöger einleitend fest, die Ergebnisse seien aber leider nicht qualitätsgesichert gewesen. Aus diesem Grund habe man sich entschlossen, ein neues Brustkrebsfrüherkennungsprogramm auf die Beine zu stellen, das sich an die gesunden Frauen richtet und das die höchsten Qualitätsstandards erfülle. Die ExpertInnen seien der Auffassung, dass ein derartiges Screening-Programm nur für Frauen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr Sinn mache, berichtete Stöger, da jede medizinische Intervention natürlich eine Belastung sei. Um aber sicher zu sein, dass wirklich alle erreicht werden, habe man sich dennoch entschlossen, die Altersgrenze auf 45 Jahre herabzusetzen.

Die Sozialversicherung lade nun die Frauen aus dieser Zielgruppe alle zwei Jahre dazu ein, am Screening teilzunehmen. Sollten die Betroffenen noch weitere Informationen wünschen, stünden ihnen diverse Internet-Portale (www.frueh-erkennen.at) oder auch eine Hotline (0800 500 181) zur Verfügung, die bis dato sehr gut angenommen worden sei. Bei Vorliegen von medizinischen Indikationen könnten natürlich auch jüngere Frauen jederzeit zur Mammographie überwiesen werden, merkte der Minister an. Weiters soll durch die doppelte Beurteilung des Röntgenbildes durch zwei voneinander unabhängige ÄrztInnen gewährleistet werden, dass keine Frau unnötig verunsichert wird. Renommierte MedizinerInnen auf diesem Gebiet hätten ihm versichert, dass Österreich damit im internationalen Vergleich das technisch und organisatorisch beste Programm entwickelt habe, betonte Stöger. Auf eine Zusatzfrage hin gab der Minister noch bekannt, dass sich dadurch Gesamtausgaben für diesen Bereich um etwa 10 % bis 15 % erhöhen werden.

Das Thema Prävention stand im Mittelpunkt noch weiterer Fragen und Anregungen, wobei die BundesrätInnen u.a. die Gesundheitsvorsorge bei Kindern und Jugendlichen (z.B. Mutter-Kind-Pass), Maßnahmen in den Bereichen Bewegung und Ernährung oder die Gender-Medizin ansprachen. Generell sei ihm die Vorsorge ein sehr großes Anliegen, unterstrich der Ressortchef, allein im Zuge der Gesundheitsreform würden dafür 150 Mio. € zur Verfügung gestellt. Bundesrat Gerd Krusche (F/S), der sich mit der Durchführung von PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen befasste, teilte Stöger mit, dass aufgrund von Fehlentwicklungen in der Vergangenheit Änderungen auf diesem Sektor vorgenommen worden seien. ExpertInnen seien nämlich der Auffassung, dass diese Tests teilweise überschätzt wurden und generell auch besser bei den Fachärzten, also den Urologen, aufgehoben sind.

Anlaufschwierigkeiten bei ELGA wurden beseitigt

Bundesrat Reinhard Todt (S/W) fragte den Minister, ob er die Skepsis von Teilen der Patientinnen und Patienten gegenüber ELGA auf einen Informationsmangel zurückführe oder ob es dafür andere Ursachen gebe.

Bundesminister Alois Stöger war überzeugt davon, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung dafür sei, dass ihre behandelnden ÄrztInnen wissen, welche Medikamente verschrieben worden sind. Dies sorge nicht nur für eine bessere Information aller Beteiligten, sondern trage auch zum Behandlungserfolg und zu mehr Sicherheit bei. Ein weiterer wichtiger Zusatzeffekt sei nach Auffassung des Ministers die von allen Seiten geforderte Aufwertung und Stärkung der AllgemeinmedizinerInnen, weil sie dadurch Zugang zu anderen Befunden haben. Auch die Anlaufschwierigkeiten in Bezug auf die Abmeldung von ELGA seien mittlerweile beseitigt worden, da für die Widerspruchsstelle mehr Personal bereitgestellt wurde.

apa.ots

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