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APA-Artikel 27. Mai 2014

Ein Schwabe als "Health Wallah" in Indien

Der Tea Wallah kümmert sich in Indien ums Teekochen, der Dobi Wallah ums Wäschewaschen, der Health Wallah um die Gesundheit. Und das macht Dr. Meyer. Er kam über Stuttgart, Heilbronn, Freiburg und London nach Neu Delhi.

Wenn der Arzt Lutz-Michael Meyer erklärt, wo er arbeitet, braucht er eine große Landkarte. "Hier, dort, auch im Iran, in Afghanistan, Pakistan und Sri Lanka", sagt der 52-Jährige. Der gebürtige Stuttgarter steht in seiner Praxis in Neu Delhi und zieht mit seinem Finger einen großen Kreis auf der Weltkarte. Im Zentrum liegt Indien. Der Schwabe zählt ein knappes Dutzend Länder auf. Sie alle gehören zur Regionalarztstelle für Südasien und den Mittleren Osten. Das ist eine Dienststelle des Auswärtigen Amts. Büro und Praxis sind in der Deutschen Botschaft angesiedelt.

Die Wohnung haben er und seine Frau Hildegard, die aus Ellwangen stammt, in der Nähe. Doch fast jeden Monat sitzen sie auf gepackten Koffern. "Ich bin froh, wenn ich meinen Mann begleiten und ihn unterstützen kann", sagt die gelernte Krankenschwester. In seiner Praxis in Neu Delhi hat Meyer alles, was ein Arzt braucht. Dazu gehört auch ein kleines, feines Labor.

"Zu Beginn meines Lebens habe ich im Brutkasten gewohnt in Stuttgart, ich war eine Frühgeburt. 1961 war das noch aufregender als heute", sagt Meyer schmunzelnd. Die Grundschule besuchte er im Stadtteil Bad Cannstatt, das Gymnasium zunächst auch dort, später dann in Heilbronn. "Mein Vater war Arbeitsrichter. Daher kommt vielleicht das soziale Interesse für meinen Beruf. Und die Tropen haben mich schon immer fasziniert."

Studiert hat der 52-Jährige in Freiburg, Straßburg und London. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin und auch für Kinderheilkunde, kennt sich in der Notfallmedizin gut aus und hat das Diplom für Tropenmedizin. Im Juni 2009 startete er seine Arbeit als Arzt für den Gesundheitsdienst des AA in Berlin. Seit August 2010 arbeitet er als Regionalarzt.

Gerade ist die Praxis leer. Das Telefon klingelt. Der Arzt lässt sich aus einer Klinik über den aktuellen Zustand einer Patientin informieren. "Ich hatte sie wegen Komplikationen während ihrer Schwangerschaft untersucht."

Die Versorgung und Behandlung von Patienten aus Deutschland und der EU "ist eine wichtige Aufgabe, aber eher eine Nebentätigkeit für mich", erläutert der Stuttgarter. Im Vordergrund stehen die medizinische Beratung und die Betreuung von Deutscher Botschaft und vier Konsulaten in Indien sowie den deutschen Vertretungen in der Region.

Besonders wichtig für alle deutschen Regionalärzte weltweit "ist der Aufbau unserer Netzwerke", sagt der Mediziner. Damit meint er gute Kontakte zu einheimischen Kliniken, Ärzten, Laboren und Gesundheitsbehörden. So unterstützt Meyer zum Beispiel die Konsularbeamten, wenn jemand im weit entfernten Goa oder Kolkata (früher Kalkutta) einen Unfall hat. Dann prüft er, wo ein passendes Krankenhaus ist und wohin der Patient eventuell verlegt werden muss.

Der Doktor sei bei Patienten und Kollegen beliebt, auch weil er "down to earth", also unkompliziert, sei, sagt ein indischer Mitarbeiter der Botschaft. Und Ersthelferin Preeti Sharma betont: "Viele von uns nennen Dr. Meyer "Health Wallah". Da hat er nichts dagegen." Es gibt unzählige Wallahs in Indien. Der Tea Wallah kümmert sich in Indien ums Teekochen, der Dobi Wallah ums Wäschewaschen. Meyer kümmert sich um Patienten.

Und was vermissen die Meyers? "Neu Delhi ist riesig, laut, stickig. Wir sehnen uns manchmal nach Ruhe, Natur, Wald und Bergen", sagt Hildegard Meyer. Ihr Mann ergänzt: "Hier in der Metropole können wir wegen des chaotischen Verkehrs und der hohen Luftverschmutzung nicht wandern und radeln wie etwa im Schwarzwald."

apa.at

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