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APA-Artikel 26. Mai 2014

Debatte um hausärztliche Öffnungszeiten ist reines Ablenkungsmanöver

Mit großem Erstaunen reagiert die NÖ Ärztekammer auf die jüngste Debatte um die angeblich unzureichenden Öffnungszeiten der hausärztlichen Ordinationen. Speziell Patientenanwalt Dr. Bachinger nimmt die Ärzteschaft immer wieder schwer unter Beschuss: "Unser Patientenanwalt sollte eigentlich genau wissen, dass die niedergelassenen Allgemeinmediziner zeitlich weit über ihrer Belastungsgrenze arbeiten und im Schnitt jedes dritte Wochenende Rund-um-die-Uhr-Dienste haben", so Präsident Dr. Christoph Reisner, MSc.

"Er sollte aber auch genau wissen, dass das bestehende Honorarsystem unter anderem aufgrund von Limitierungen eine Ausweitung der Arbeitszeiten in den einzelnen Ordinationen gar nicht ermöglicht. Und er sollte wissen, dass unkomplizierte ärztliche Kooperationsformen nur sehr schwer bis gar nicht möglich sind, weil eine Ausweitung der Ordinationszeiten und damit ein MEHR an Leistungen im Rahmen des verordneten Sparkurses eigentlich gar nicht erwünscht sind", so Dr. Präsident Dr. Reisner.

Zu wenig Hausärztinnen und Hausärzte im internationalen Vergleich

Kurienobmann-Stellvertreterin Dr. Martina Hasenhündl erläutert: "Die Krankenkassen bekommen dafür auch kein Geld. Wenn der Patientenanwalt seine Anliegen ernst meint, dann soll er dafür sorgen, dass die Kapazität im hausärztlichen Bereich vergrößert wird. Denn das ist das eigentliche Problem und nicht die angeblich mangelhaften Öffnungszeiten speziell am Tagesrand, was eine internationale Studie jüngst eindrucksvoll bestätigt hat." Die angesprochene britische Studie von Yin Zhou (Cambridge Centre for Health Services Research) ist in der Fachzeitschrift "Emergency Medicine Journal" erschienen und belegt, dass mehr Behandlungskapazitäten zu "normaler" Tageszeit praktisch automatisch die Inanspruchnahme von medizinischen Versorgungseinrichtungen zu Randzeiten reduziert und die Versorgung verbessert. Details dazu unter http://bestpointofservice.at/tag/ausland/. Im internationalen Vergleich wäre eine Aufstockung der Kapazität im hausärztlichen Bereich laut Dr. Hasenhündl bis zur doppelten Anzahl sinnvoll. "Während in vergleichbaren Ländern bis zu 20 Prozent der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitssystem niedergelassene Allgemeinmediziner sind, haben bei uns nur rund neun Prozent einen Kassenvertrag für Allgemeinmedizin."

Wir fordern daher, dass von der Politik die entsprechenden Mittel zur Verfügung gestellt werden. "Und der Leistungskatalog der Kassen muss an die Erfordernisse moderner Medizin und die Möglichkeiten in den Ordinationen angepasst werden. Dafür sollte sich der Patientenanwalt einsetzen. Weiters ist es notwendig, dass die Bürokratie abgebaut statt weiter aufgebaut wird, damit für die Behandlung mehr Zeit zur Verfügung steht", führt Dr. Hasenhündl aus.

Ärzteschaft richtet sich nach den Bedürfnissen der Patienten

Laut Präsident Dr. Reisner sollte Patientenanwalt Dr. Bachinger endlich aufhören, den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ständig direkt oder unterschwellig vorzuwerfen, sie würden zu wenig arbeiten. "Das Gegenteil ist der Fall. Ausschließlich die Politik behindert die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, sich noch besser für die Bedürfnisse ihrer Patientinnen und Patienten einzusetzen." Die Ärztinnen und Ärzte in Niederösterreich richten sich jedenfalls nach den Bedürfnissen der Patienten, so sind auch die Öffnungszeiten entstanden, die im Rahmen der politischen Vorgaben bestmöglich im Patienteninteresse aufeinander abgestimmt sind. "Wenn die Politik möchte, dass alle Ordinationen rund um die Uhr und jedes Wochenende geöffnet bleiben - was unseres Erachtens überhaupt nicht notwendig ist - muss das ausgesprochen werden und muss dafür ein Budget zur Verfügung gestellt werden", so Präsident Dr. Reisner zum Abschluss.

apa.at

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