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APA-Artikel 26. Mai 2014

Massive Kritik am neuen Antragsformular für Psychotherapie der WGKK

In Österreich besteht im Gegensatz zu unseren Nachbarländern, Schweiz und Deutschland, eine krasse Unterversorgung im Bereich der Psychotherapie. Nur ca. ein Drittel der Menschen, die eine Psychotherapie benötigen, bekommen sie tatsächlich. Über 400.000 Menschen sind betroffen.

Statt den Zugang zur Psychotherapie zu erleichtern, errichtet die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) nun Hürden bei der Antragstellung. Das bisherige Formular zur Beantragung der Kostenübernahme bzw. des Kostenzuschusses für Psychotherapie soll durch ein neues und umfangreiches Formblatt ersetzt werden - ohne dass die WGKK die Anonymisierung der sensiblen PatientInnendaten sicherstellt!

Bereits 2012 hatte die WGKK versucht, das neue Formular einzuführen, zog es aber wegen der massiven Proteste der PsychotherapeutInnen zurück. Nun startet die WGKK einen zweiten Anlauf.

Ab 1. Juli 2014 verlangt die Krankenkasse in diesem Formular, dass PsychotherapeutInnen mit dem Einverständnis ihrer PatientInnen sensible Krankendaten der PatientInnen bekanntgeben.

Dazu gehören laut WGKK Informationen wie Krankenstandstage, Spitalsaufenthalte, Alkohol-/oder Medikamentenmissbrauch, aber auch traumatische Ereignisse wie sexueller Missbrauch in der Kindheit, Selbstmord des Onkels, Labilität der Großmutter usw. "Wir sehen darin eine Unvereinbarkeit mit unseren Berufsstandards als PsychotherapeutInnen und eine Nötigung unserer PatientInnen", so die Vorsitzende des Wiener Landesverbandes für Psychotherapie, Leonore Lerch. Viele PatientInnen sind auf den Kostenzuschuss bzw. die Kostenübernahme für Psychotherapie angewesen und können sich eine private Finanzierung ihrer Psychotherapie nicht leisten. Wenn ein Patient mit der Weitergabe der Informationen nicht einverstanden ist und keine Angaben macht, will die WGKK den Antrag nicht bearbeiten.

Lerch: "Jeder Patient hat ein Recht auf den Schutz seiner Krankendaten. Wir brauchen kein neues Formular, sondern mindestens eine Verdoppelung der Psychotherapieplätze!"

apa.at

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