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APA-Artikel 23. Mai 2014

Haus der Barmherzigkeit diskutiert Fakten und Mythen am Lebensende

"Das Lebensende ist ein unbequemes Thema, mit dem sich viele Menschen erst dann beschäftigen, wenn sie persönlich betroffen sind. Dadurch entstehen falsche Vorstellungen und Ängste, denen wir heute Fakten gegenüberstellen wollen", erklärte Gastgeber Christoph Gisinger, Institutsdirektor des Haus der Barmherzigkeit, Mittwochabend in seiner Eröffnungsrede den Hintergrund des Themas.

ÖsterreicherInnen leben länger und werden gesünder alt Auch Palliativmediziner Herbert Watzke stimmte dieser Einschätzung im Rahmen seines Impulsvortrags zu, in dem er betonte, dass in der aktuellen öffentlichen Diskussion vor allem Mythen vorherrschen. "Wir haben immer weniger Erfahrung mit dem Sterben, aber ich glaube nicht, dass Verdrängung der Grund dafür ist. Die immer bessere und engmaschigere medizinische Versorgung führt einfach dazu, dass wir mit dem Sterben seltener konfrontiert werden", so Watzke. Diese Entwicklung hat aber durchwegs positive Effekte, wie Mag. Alexander Hanika von der Statistik Austria in seinem Vortrag belegt: "Die steigende Lebenserwartung schlägt sich vor allem in den Jahren nieder, die wir in guter Gesundheit verbringen. Wir werden also nicht nur älter, sondern bleiben auch länger fit." Den Mythos, dass das Lebensende in vielen Fällen von schweren Schmerzen begleitet werde, hält Watzke für unbegründet: "Schmerz ist in den meisten Fällen sehr gut behandelbar. Sollte eine Behandlung dennoch nicht möglich sein, hat jeder Patient das Recht, sich in einen künstlichen Tiefschlaf versetzen zu lassen."

Koma-Patient schildert Erlebnisse

Ein weiterer Höhepunkt der Podiumsdiskussion waren die berührenden Schilderungen von Werner Könne, der vor einigen Jahren durch einen Schlaganfall selbst acht Wochen lang im Koma gelegen ist. Nach dem Erwachen musste er sich wesentliche körperliche Fähigkeiten - vom Schlucken bis hin zum Gehen - durch jahrelange Rehabilitation nochmals erarbeiten. Während dieser Zeit wurde Könne unter anderem auch im Haus der Barmherzigkeit betreut. Mediziner und Moraltheologe Matthias Beck brachte insbesondere die theologische Perspektive in die Diskussion ein und betonte die ethische Verantwortung, die der Gesellschaft gegenüber kranken und betagten Menschen zukommt. Moderiert wurde die jährliche Diskussionsveranstaltung des Haus der Barmherzigkeit, die heuer mit rund 150 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt war, von "Presse"-Redakteur Erich Kocina.

Die "Haus der Barmherzigkeit"-Gruppe

Das gemeinnützige Haus der Barmherzigkeit bietet seit mehr als 135 Jahren schwer pflegebedürftigen Menschen eine Langzeit-Betreuung mit mehr Lebensqualität. In fünf Pflegekrankenhäusern bzw. -heimen sowie vierzehn Wohngemeinschaften in Wien und Niederösterreich leben rund 1.300 geriatrische und jüngere KlientInnen mit mehrfachen Behinderungen. Neben der bestmöglichen medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Versorgung wird besonderer Wert auf einen selbstbestimmten und abwechslungsreichen Alltag gelegt.

Das Haus der Barmherzigkeit Diskussionsforum wurde in Kooperation mit "Die Presse" und mit freundlicher Unterstützung von den Österreichischen Lotterien und Pfizer Austria veranstaltet.

 

apa.ots

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