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APA-Artikel 22. Mai 2014

Experten fordern bessere Versorgung von Schmerzpatienten

In Österreich leiden zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Am Donnerstag beklagte der Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), Christian Lampl, aus Anlass der 22. Wissenschaftlichen Tagung der Gesellschaft in Graz wesentliche Defizite.

"Die österreichische Gesundheitspolitik ignoriert die Bedürfnisse von Schmerzpatienten und die Vorschläge von Schmerz-Experten für eine Verbesserung der schmerzmedizinischen Versorgung", kritisierte Lampl. Es sei absurd, dass heute mehr wirksame schmerztherapeutische Methoden als je zuvor zur Verfügung stehen, jedoch nicht konsequent bei allen Patienten eingesetzt werden können.

Im Bereich der Schmerzdiagnostik und -therapie seien Konzepte entwickelt worden, die chronischen Schmerzpatienten eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität ermöglichten, betonte der Experte in einer Aussendung. Deren Umsetzung scheitert jedoch aufgrund fehlender Aktivitäten der Krankenkassen und Sozialversicherungsträger und am nicht vorhandenen politischen Willen.

Ein Beleg dafür sei auch, dass im Bundeszielsteuerungsvertrag, für den das Gesundheitsministerium die politische Verantwortung trage, chronische Schmerzkrankheiten gar nicht vorkämen. Lampl ergänzte dazu: "Nachhaltige Verbesserungen sind jedoch nicht zu erkennen. Ambulante und stationäre schmerztherapeutische Einrichtungen, die ausschließlich Schmerzkranken zur Verfügung stehen, finden sich nur sporadisch." Es könne nicht sein, dass die Qualität der Versorgung vom Wohnort der Patienten abhänge. Insgesamt würden heute die in Österreich durch chronische Schmerzen verursachten Kosten auf 1,4 bis 1,8 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Erst am Dienstag hat der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, die Verankerung der Schmerztherapie in den Leistungskatalogen der Krankenkassen gefordert. Derzeit würden niedergelassene Ärztinnen und Ärzte diese Leistungen nur privat anbieten können, was die flächendeckende Versorgung von Schmerzpatienten automatische verhindere, betonte der Standesvertreter. Die Krankenkassen seien nicht bereit, die Schmerztherapie "auch nur annähernd realistisch" zu honorieren. Auf der anderen Seite würden chronische Schmerzzustände in Österreich durch Arbeitsausfälle etc. jährlich rund 4,1 Milliarden Euro an indirekten Kosten verursachen.

Bei einem Hintergrundgespräch in Wien betonte auch der Präsident der Wiener Ärztekammer, Thomas Szekeres Mittwochabend, dass man für die Schmerzpatienten Möglichkeiten für eine bessere medizinische Versorgung inklusive Kassenleistungen in der niedergelassenen Praxis schaffen sollte. Es gebe aber große Schwierigkeiten, neue Leistungen zu vereinbaren. Auch die privaten Krankenkassen scheinen auf der Bremse zu stehen. Bezahlt wird bei den am häufigsten abgeschlossenen Krankenhaus-Zusatzversicherungen die "stationär notwendige Heilbehandlung". Die Therapie von chronischen Schmerzpatienten wird dabei laut Szekeres und dem Wiener Kammeramtspräsidenten Thomas Holzgruber zumeist als ambulante Leistung angesehen.

apa.at

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