zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 22. Mai 2014

Wiener Ärztekammer fordert mehr Prävention

Chronische Krankheiten - speziell Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes etc. - ließen sich laut Wissenschafter zu 80 Prozent durch Prävention verhindern. Österreich weist hier starke Defizite auf. "Wir geben wesentlich weniger als der Durchschnitt der EU-Länder für Prävention aus", sagte der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres Mittwochabend bei einem Hintergrundgespräch in Wien.

Szekeres betonte, dass in der Öffentlichkeit in Sachen Gesundheitspolitik oft unzutreffende Ansichten vorherrschten: "Die Gesundheitsausgaben sind nicht explodiert. Sie sind in Österreich relativ konstant geblieben." Bei den Ausgaben für Prävention aber wende das Land mit einem Anteil von 1,8 Prozent der Gesundheitsausgaben im EU-Vergleich (2,9 Prozent) unterdurchschnittlich viel auf. Daran ändere auch die gegenwärtige Gesundheitsreform kaum etwas: "Die Politik hat diese Ausgaben um jährlich 15 Millionen Euro über zehn Jahre hinweg erhöht." Das sei ein Zuwachs der Investitionen für Prävention um 0,05 Prozent bei Gesamtausgaben für die Gesundheit von 30 Milliarden Euro.

Österreich liege zwar bei der durchschnittlichen Lebenserwartung im Spitzenfeld, wofür auch der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt von elf Prozent verantwortlich sei, doch bei den gesunden Lebensjahren schneide das Land vergleichsweise schlecht ab. Notwendig seien vor allem verstärkte Aktivitäten bei den Kindern und Jugendlichen. "30 Prozent der 15-jährigen Mädchen rauchen. Alkohol werde von den Heranwachsenden überdurchschnittlich häufig konsumiert, in der Altersgruppe der Elf- bis 15-Jährigen verschlechtere sich das Gesundheitsverhalten rapide.

Doch fehlende Anstrengungen und auch Kompetenzen würden hier vermehrte Aktivitäten behindern. "Eigentlich wäre das Bildungsministerium zuständig", meinte Szekeres. Doch in Wirklichkeit fühle sich für die Gesundheit der Jugendlichen niemand zuständig.

Der Wiener Ärztekammerpräsident kann sich beispielsweise eine Ausdehnung des Mutter-Kind-Passes weit über das sechste Lebensjahr hinaus vorstellen. Doch selbst um dieses Erfolgsmodell kümmere man sich nicht, meinte dazu der Kammeramtsdirektor der Wiener Ärztekammer, Thomas Holzgruber: "Seit 17 Jahren hat man das Honorar für den Mutter-Kind-Pass nicht erhöht." Szekeres ergänzte: "Die Ärzte zahlen da drauf."

Weiters könnte die Rolle der Schulärzte mit einer zusätzlichen Untersuchung der Kinder im Alter von 13 Jahren intensiviert werden. Ein mögliches Beispiel für eine positive Entwicklung sei das Programm "junior-check", das in einem Pilotversuch in Wien und im Burgenland seit etwas mehr als einem Jahr läuft und für die Kinder von Versicherten der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft eine zusätzliche Vorsorge beim Arzt bringt.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben