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APA-Artikel 20. Mai 2014

Ärzte fordern Schmerztherapie als eigene Krankenkassenleistung

Vor dem Hintergrund, dass ungefähr 1,7 Millionen Österreicher von chronischen Schmerzen betroffen sind, fordert die Ärztekammer die rasche Aufnahme der Schmerztherapie in den Leistungskatalog der Krankenkassen. Derzeit würden niedergelassene Ärztinnen und Ärzte diese Leistungen nur privat anbieten können, was die flächendeckende Versorgung von Schmerzpatienten automatische verhindere, betont Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien.

Zahlreiche Umfragen hätten bereits die große Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Versorgungssystem gezeigt, "und zwar nicht nur bei den Patienten, sondern auch innerhalb der Ärzteschaft". Die Forderung der Ärztekammer nach Schaffung adäquater Behandlungsmöglichkeiten für die Schmerzpatienten sei daher "für beide Seiten ein Gebot der Stunde".

Positiv beurteilt der Kurienobmann den Zusammenschluss von etlichen ärztlichen Fachgesellschaften mit der "Allianz Chronischer Schmerz Österreich", einer Vereinigung von mittlerweile 36 Selbsthilfegruppen quer durch das Land. In der so entstandenen "Schmerzplattform" würden derzeit Vorschläge erarbeitet, wie eine Steigerung von Behandlungsergebnissen, sowohl im niedergelassenen als auch im intramuralen Bereich, erzielt werden könnte, um so in Kombination mit Präventivmaßnahmen eine Reduktion des Medikamentenverbrauchs, aufwendiger Untersuchungen, Krankenstandstagen und schmerztherapiebedingten Nebenwirkungen zu erreichen.

Schmerzen stellten darüber hinaus auch eine nicht unwesentliche finanzielle Belastung für den Staatshaushalt dar. Steinhart: "Chronischer Schmerz verursacht in Österreich jährlich zwischen 1,5 und 2,6 Milliarden Euro an direkten beziehungsweise bis zu 4,1 Milliarden Euro an indirekten Kosten." Mit einer verbesserten Schmerztherapie könnten also, neben der Linderung des individuellen Leids, auch deutliche Kosteneinsparungen erzielt werden.

Einige der Schmerztherapien, die derzeit nur im stationären Bereich durchgeführt werden, könnten jedenfalls ambulant beziehungsweise tagesklinisch erledigt werden. Steinhart: "Das erspart teure Spitalsbetten und entlastet das Krankenhauspersonal massiv."

Der Kurienobmann ist überzeugt, dass sich die Kosten für eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung in Grenzen halten würden, "vor allem, wenn man berücksichtigt, wie viele Menschen durch Schmerzen - zumindest zeitweise - arbeitsunfähig sind". Die Krankenkassen seien aber nicht bereit, die Schmerztherapie "auch nur annähernd realistisch" zu honorieren. Die logische Folge: "Patienten finden keinen Arzt mit Kassenvertrag, womit eine adäquate Therapie ausschließlich jenen Patienten vorbehalten bleibt, die sich eine solche Behandlung privat auch leisten könnten", so die Kritik von Steinhart. 

apa.ots

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