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APA-Artikel 16. Mai 2014

Neue Wege in der Musiktherapie

"Das Schöne an der Musik ist, dass sie rezeptfrei konsumiert werden kann", so Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka heute, Freitag, im Rahmen einer Pressekonferenz im Vorfeld des 14. Weltkongresses für Musiktherapie an der IMC Fachhochschule Krems. Gemeinsam mit FH-Prof. Priv. Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek, Weltkongress-Präsident, Forschungsbereichsleiter am Department "Health Sciences" und Studiengangsleiter Musiktherapie, und Dr. Nikolaus Steinhoff, Facharzt für Neurologie und Ärztlicher Leiter der Intermediate Care Unit-IMCU-Neurologie an der Neurologischen Abteilung im Landesklinikum Hochegg, informierte er über die neuen Wege in der Musiktherapie und die neuen Erkenntnisse in der Hirnforschung.

Musik sei nicht nur "eine Frage des Kulturgutes, sondern auch eine Frage des körperlichen und geistigen Wohlbefindens", so Sobotka. Mit der Musiktherapie könne die Wirkung der Musik entsprechend eingesetzt werden, diese könne die "Wiederherstellung des körperlichen und seelischen Gleichgewichts unterstützen". Große Herausforderungen gebe es in der Musiktherapie in der Ausbildung und Anwendung. Musiktherapeuten würden sich heute nicht mehr auf Wien und Ballungszentren beschränken. Bereits in zehn NÖ Landeskliniken werde der musiktherapeutische Ansatz gewählt. "Das zeigt, dass die Musiktherapie nicht mehr eine Randdisziplin ist, sondern in die Fläche geht", so Sobotka. Erfolgreich eingesetzt werden Musiktherapeuten in Allentsteig, Amstetten, Hochegg, Hollabrunn, Mauer, Mistelbach, Gänserndorf, St. Pölten, Tulln, Wiener Neustadt und Zwettl in den Bereichen Intensivmedizin, Neonatologie, Palliativpflege und Krebstherapie. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Jugendpsychiatrie.

Therapien seien ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses des Behandelns und Heilens, so Sobotka. Die Musiktherapie habe in diesem Zusammenhang bereits beachtliche Leistungen erzielen können. Der Landeshauptmann-Stellvertreter bedankte sich bei FH-Prof. Tucek, der den Studiengang Musiktherapie in Krems aufgebaut und international vernetzt hat.

Die IMC FH Krems sei die einzige Institution, die ein Musiktherapie-Studium nach dem Bologna-Prozess anbiete. Es sei ganz wesentlich, die "Forschung und Praxis zusammenzuführen", so Sobotka. Forschung und Praxis arbeiten Hand in Hand, indem aktuelle Forschungsthemen der IMC Fachhochschule Krems auch in den Klinikalltag einfließen. "Unser Ziel ist es, die wissenschaftliche Umsetzung von Musiktherapie in der medizinischen Praxis voranzutreiben", so Sobotka.

Mit dem heurigen Jahr konnte der Weltkongress für Musiktherapie erstmals nach Österreich und nach Niederösterreich geholt werden. "Das macht uns sehr stolz", so Sobotka. Immerhin werde dieser Kongress dort ausgetragen, wo es auch die entsprechenden Strukturen und das Know-how gebe. "Die Auswahl der IMC FH Krems als Veranstaltungsort für den Weltkongress der Musiktherapie ist eine wichtige Bestätigung und Anerkennung für die hohe Qualität der Forschung und Lehre in Niederösterreich", so der Landeshauptmann-Stellvertreter.

"Es ist 14 Jahre her, dass der erste Weltkongress für Musiktherapie in Paris stattgefunden hat", so FH-Prof. Tucek. Heuer kommen Kollegen aus 45 Ländern nach Krems an die IMC Fachhochschule. Knapp 900 Anmeldungen gebe es bereits jetzt. "Dass Musiktherapie wirkt, ist unbestritten", so Tucek. Sie kann beispielsweise eine menschlichere und entspanntere Atmosphäre unterstützen. Der Mensch müsse in den Mittelpunkt des Heilungsprozesses gestellt werden, so Tucek. "Patienten sollen die Möglichkeit haben, sich - wo immer möglich - aktiv mitgestaltend an der Therapie beteiligen zu können", fordert Tucek anlässlich des Weltkongresses. "Ziel ist es, den Patienten die Möglichkeit zu eröffnen, aus der Rolle der 'geduldig Wartenden' herauszutreten, und sie zu aktiv am Heilungsprozess Mitwirkenden zu machen", so Tucek. Die Hinwendung zum Patienten sei auch deshalb wichtig, weil ein großer Teil der Wirkung vom Patienten selbst abhänge.

"Die Wahrnehmung der Musik ist eine neurologische", so Dr. Steinhoff. Musik werde immerhin über die Nerven wahrgenommen, gesteuert werde das Verständnis dann über das Gehirn. Die Frage, ob und wie Musiktherapie überhaupt wirkt, wird derzeit in mehreren Studien im Bereich der Hirnforschung untersucht. Im Dezember 2012 startete die IMC FH Krems in enger Kooperation mit dem Landesklinikum Hochegg ein zukunftsweisendes Forschungsprojekt: Vier Wachkoma-Patienten nach hypoxischen Hirnschäden (Hirnschäden infolge schwersten Sauerstoffmangels im Gehirn) erhielten über einen Zeitraum von fünf Wochen zusätzlich zu Ergo- und Physiotherapien dreimal pro Woche eine Musiktherapie. "Um zu sehen, ob die Musiktherapie wirkt, haben wir einzelne Patienten während der Musiktherapie einer PET-Messung (Positronen-Emissions-Tomografie) unterzogen. Dabei zeigte sich eine deutliche Aktivierung der Gehirnzentren", so Dr. Steinhoff.

apa.ots

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