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APA-Artikel 15. Mai 2014

Gimborn: Plastikbestandteil gefährdet unser aller Gesundheit - EU-Behörde blockt ab

Der NÖ Landtag beschäftigte sich heute in seiner Sitzung auch mit dem Thema "Verunreinigung von Gewässern durch Plastik-Teile". Den eigentlich wirklich schockierenden Teil dieser Debatte brachte die Abgeordnete des Team Stronach für NÖ, die Ärztin Dr. Gabriele Von Gimborn, ein. Sie zeigte in ihrer Rede die Gefährlichkeit des in nahezu allen Kunststoffen enthaltenen Weichmachers Bisphenol A (BPA) auf:

"BPA wird seit 1953 aus Erdöl hergestellt und ist heute einer der meistproduzierten Industriechemikalien. Es gelangt bereits bei der Produktion in die Umwelt und wird in Folge auch ständig bei dem Gebrauch von Kunststoffartikel freigesetzt.

Laut Bloomberg News wurden im Jahre 2012 ca. 4,7 Millionen Metrische Tonnen BPA produziert , das entspricht einem Wert von mehr als 8 Millionen US Dollar. 1,15 Millionen Tonnen im Jahr verbrauchen alleine die Betriebe in Europa und der Verbrauch steigt in der EU um Prozent pro Jahr.

Toxischer Weichmacher BPA gelangt über Nahrung, Luft und Haut in den Körper

Durch die Nahrungskette gelangt BPA in den menschlichen Körper: Zuerst fressen Fische die kleinen BPA-enthaltenden Plastikteile, die im Wasser sind, dann isst der Mensch die Fische. Aber BPA kommt nicht nur aus dem Wasser: Die toxische Chemikalie wurde auch in der Luft und in Staub nachgewiesen.und es lauert in unserem Essen! Laut einer aktuellen Studien kann heute bereits in 90 Prozent der Bevölkerung von Industriestaaten BPA in Blut und Urin nachgewiesen werden.

BPA ist überall wo Plastik vorhanden ist: in den Händen in Form von Kugelschreibern, Tablets, Handys, in Haushaltsgeräten, CD Hüllen, in der Kosmetik, Schwimmbecken, Autos, Getränkeflaschen, Innenbeschichtung von Konservendosen, Mikrowellen geeignete Kunststoffe, Lebensmittelverpackungen, hitzebeständige Babyflaschen, Weinlagerungsgroßtanks, Zahnfüllungen usw....

Das große Problem mit dem wir konfrontiert werden ist aber, dass vor allem Hitze, Säure und Laugen dieses BPA herauslösen und dieses somit in unseren Organismus gelangt.

Wir nehmen dies über den Atemtrakt auf - z.B. wenn wir Geräte aufdrehen - besonders starke Belastung gibt es bei der Verwendung von neuen Fernsehen oder anderen ähnlichen Geräten - als sogenannte Feinstaubbelastung. Aber wir nehmen BPA auch über die Haut auf, wie etwa Kosmetikerinnen, oder über Thermopapier, als sogenannte Kassazettel und über den Verdauungstrakt in unterschiedlichster Art und Weise:

- BPA kommt auch über Getränken in den Körper, denn es ist ganz fatal, dass durch die Säure in Soft Drinks oder Mineralwasser BPA aus den Kunststoffflaschen herausgelöst wird.

- In Babynahrung - ganz dramatisch, wenn das Fläschchen in der Mikrowelle erhitzt wird.

- Im Trinkwasser durch die Innenbeschichtung der Rohre, durch den ewigen Kreislauf der Kläranlagen. Warum Kläranlagen, nun ja BPA kann in Kläranlagen nicht abgebaut werden und jetzt kommen wir zu dem Punkt, der uns, so wie wir hier sitzen, alle betrifft,

BPA führt zur Zunahme von diversen Krebsarten

BPA ist eine Chemikalie, die hormonell wirksam ist. Es hat eine ähnliche Wirkung wie das weibliche Hormon Östrogen. Na dann darf man sich nicht wundern, dass der Fischbestand immer weiblicher wird. Aber es betrifft nicht nur den Fischbestand, sondern auch uns Menschen. BPA führt zu

- einer frühzeitigen Geschlechtsreife von Mädchen - zu Übergewicht bei Erwachsenen und Jugendlichen - zu Diabtes 2 Typ - zur Zunahmen von Krebsarten wie Brust- und Prostatakrebs - zur Unfruchtbarkeit - zur Abnahme der sexuellen Lust und Erektionsstörungen

Und, was noch viel wichtiger ist, diese Substanz Bisphenol A ist fettlöslich und lagert sich daher in Hormonorganen, Nervengewebe und Gehirn ab. Wir sollten uns wirklich fragen, wieso nehmen die Anzahl der Fehlgeburten zu, wieso nimmt die Anzahl der Patienten, die an Demenz, Alzheimer und Parkinson erkranken zu und diese in immer früheren Jahren.

EU-Behörde sieht keine Gefährdung der Menschen durch BPA

Da die Produzenten von BPA, also die Powerplayer der Verpackungsindustrie zufällig auch die größten Chemiekonzerne der Welt sind nämlich ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Politik, allen voran die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit keine Gefährdung des Menschen durch BPA sieht, obwohl es hier unzählige unabhängige Studien gibt, die eindeutig beweisen, dass BPA gesundheitsschädigende Auswirkungen hat.

Somit fällt die unumgängliche Aufgabe des vorsorglichen Gesundheitsschutzes allein in die Hände der Länder. Neben Dänemark, Frankreich und Schweden ist Österreich eines der wenigen Länder im gesamten EU Raum, die den Vormarsch gewagt haben und die ein BPA Verbot in Babyschnullern und Fläschchensaugern erlassen haben.

Jetzt muss die Bundesregierung dringend aufgefordert werden, in ihrem Auftrag zum vorsorglichen Gesundheitsschutz weitere Schritte zu setzten, um das Gift Bisphenol A aus dem Lebensmittelkreislauf zu reduzieren", schloss Gimborn ihre Rede in der heutigen Landtagssitzung.

Ots

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