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APA-Artikel 15. Mai 2014

Mückstein: Kassenvertrag für Psychotherapie dringend gefordert

Eine alleinerziehende Frau mit einer depressiven Störung schildert ihre jahrelange Odyssee, um Hilfe in einer kassenfinanzierten Psychotherapie zu bekommen. Eindrücklich und berührend berichtet sie über ihren Kampf gegen die Depression, sie erzählt, wie viel Kraft es kostet, trotz psychischer Störung auch für ihre Kinder da zu sein und wie dringend sie immer wieder psychotherapeutische Hilfe braucht, um ihr Leben einigermaßen stabil zu halten. Das ist nur ein Beispiel für viele Menschen in Österreich, die an psychischen Störungen leiden. Statistisch gesehen sind rund 20 Prozent der Bevölkerung von psychischen Erkrankungen betroffen, etwa fünf Prozent der Bevölkerung wären bereit, neben Psychopharmaka auch die wissenschaftlich nachgewiesen und langfristig wirksame psychotherapeutische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Psychotherapie ist seit 1991 verpflichtend eine Kassenleistung, die im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz geregelt ist. Doch die Kassen zahlen nicht.

Mit bedauerlicher Unterstützung des Gesundheitsministeriums haben die Kassen im Bereich der Psychotherapie ein Privatisierungsexperiment eingeführt, das zunächst als Übergangslösung bezeichnet wurde, nun aber - geht es nach den Krankenkassen - zur Dauerlösung werden soll. "Das ist ein system- und gesetzwidriges Versorgungsmodell, das den Versicherten seit mehr als 20 Jahren ihr Recht auf Krankenbehandlung bei psychischen Störungen beraubt", sagt Eva Mückstein, Gesundheitssprecherin der Grünen, und weiter: "Die Versorgung mit rationierten Kassenstunden hat zu einem enormen Versorgungsdefizit und Behandlungs-Rückstau geführt. Hohe Privatleistungen sind gefordert, die sich viele nicht leisten können. Daher kann Psychotherapie in Österreich viel zu wenig in Anspruch genommen werden. Was in Deutschland oder in der Schweiz mittlerweile selbstverständlicher Behandlungsstandard ist, wird den PatientInnen in Österreich auf skandalöse Weise verwehrt".

"Ich fordere eine entschiedene Initiative und den Allparteien-Konsens für einen Kassenvertrag für Psychotherapie. Das sind die GesundheitspolitikerInnen den psychisch kranken Menschen seit Jahren dringend schuldig. Das ist die einzige Lösung, um das Psychotherapie-Desaster zu lösen", meint Mückstein. Sie kündigt eine parlamentarische Anfrage und weitere Aktionen zur Lösung der Psychotherapie-Problematik an.

apa.at

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