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APA-Artikel 13. Mai 2014

Kratzen, Beißen, Treten: Wie PatientenInnen mit MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen umgehen!

Nach Angaben der Europäischen Union sind 5 % der MitarbeiterInnen in Gesundheitsberufen - das ist immerhin jede zwanzigste Person - der einen oder anderen Form von Gewalt ausgesetzt: Kratzen, Beißen oder Treten sind offenbar an der Tagesordnung, wenn PatientenInnen mit ÄrztInnen und PfegerInnen kommunizieren, ganz zu schweigen von verbalen Attacken. Alarmierend ist auch, dass Betroffene oft meinen, Gewalt im Gesundheitswesen sei ein übliches Jobrisiko. Die Plattform Patientensicherheit hat daher das Thema der körperlichen Sicherheit von MitarbeiterInnen und PatientenInnen im Gesundheitswesen auf ihre Agenda gesetzt und kürzlich mit namhaften ExpertInnen dazu einen Bildungstag veranstaltet.

Wenn Emotionen die Kommunikation lenken Gewalt gegen das Personal medizinischer Einrichtungen wird längst nicht mehr nur in Notaufnahmen oder im Zusammenhang mit psychiatrischen PatientInnen beobachtet, denn PatientInnen oder Angehörige im Krankenhausumfeld sind fast immer in einer emotionalen Ausnahmesituation. "Wenn Angst, Unsicherheit, Hilflosigkeit auf scheinbar mangelnde Fürsorge und Hilfsbereitschaft aufseiten der Gesundheitsdienstleister treffen, sind Missverständnisse vorprogrammiert und sie führen nicht selten zu Gewalt in Form von körperlichen oder verbalen Attacken", sind sich die Expertinnen Dr. Maria Kletecka-Pulker, Geschäftsführerin der Plattform Patientensicherheit, und Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes, einig. Die angespannten Situationen in den Krankenhäusern - Zeitdruck sowie hohe Arbeitsüberlastung - bieten zusätzlichen Nährboden für ein angespanntes Kommunikationsklima.

Studien weisen darauf hin, dass Alkohol und Drogen die Aggressionsbereitschaft begünstigen, Gewalt eher von Männern ausgeht und Frauen häufig Opfer werden. "Eine Umfrage bei MitarbeiterInnen in Notaufnahmen zeigt, dass 58 % der Befragten bereits Erfahrung mit verbaler Bedrohung haben, 24 % mit Schlägen und 2 % mit Stich- und Schusswaffen. Immerhin fühlt sich etwa ein Drittel auf diese Situation nur schlecht vorbereitet und 8 % wurden nach einem Gewaltereignis auch nicht ausreichend vonseiten des Arbeitgebers unterstützt", erklärt Prof. Dr. Peter Gausmann, Geschäftsführer der Gesellschaft für Risikoberatung. Auch im Rettungsdienst sind MitarbeiterInnen überzeugt, dass verbale Gewalt und gewalttätige Übergriffe zum Jobprofil gehören. Meldungen an den Arbeitgeber oder gar Anzeigen werden meist unterlassen, weil die Betroffen diesen Ereignissen keine Bedeutung beimessen oder nicht ausreichend über die Meldemöglichkeiten informiert sind. "Der Aufklärungs- und Handlungsbedarf ist dringend erforderlich!", meint Kletecka-Pulker dazu.

Zwtl.: Plattform Patientensicherheit setzt erste Sofortmaßnahmen

Neben einer Präventions-Checkliste, die zum Download auf www.plattformpatientensicherheit.at oder als praktische Einsteckkarte zur Verfügung stehen wird, wurde ein Folder zur "Kommunikation nach einem Zwischenfall" erstellt. Hier wird anschaulich und mit Beispielen aus der Praxis erklärt, wie Missverständnisse und eine Eskalation von unerwünschten Ereignissen vermieden werden können. Damit soll MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen Mut gemacht werden, Missgeschicke offen einzugestehen und damit auch Verbesserungen zu ermöglichen. Zudem wird sich die Plattform Patientensicherheit weiterhin aktiv für mehr Bewusstseinsbildung zu diesem Thema einsetzen: "Wir wollen die Gesundheitseinrichtungen bei der Umsetzung von personalbezogenen, organisatorischen und patientenbezogenen Maßnahmen aktiv unterstützen und fordern dringend ein Gesamtkonzept", betont die Geschäftsführerin der Plattform Patientensicherheit. Damit die Handlungssicherheit bei der Ausübung der medizinischen und pflegerischen Tätigkeiten wieder gegeben ist, gehört auch die Öffentlichkeit sensibilisiert. Spitalsbetreiber müssen für passende Ausbildungen der MitarbeiterInnen wie zum Beispiel Sicherheitsschulungen die finanziellen Mittel aufbringen. "Das können nicht anlassbezogene Eintagsfliegen sein. Diese Maßnahmen müssen systematisch in der Grundausbildung verankert werden und sich über alle Berufsgruppen ziehen", sagt Kletecka-Pulker. Frohner fordert zudem: "Für risikogeneigte Bereiche, wie Notaufnahmen, Einrichtungen mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen oder der mobilen Pflege muss es zusätzliche, auf den Arbeitsbereich abgestimmte Maßnahmen geben. Hier ist es aus meiner Sicht schon eine Minute vor zwölf, denn es kann nicht sein, dass private Security-Firmen in Spitälern fehlendes Fachpersonal ersetzen!"

Über die Plattforum

Die Österreichische Plattform für Patientensicherheit - ANetPAS - Austrian Network for Patient Safety - wurde im November 2008 im Zuge des Projekts EUNetPAS (7. EU-Rahmenprogramm) und auf Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit gegründet. Ziel dieses ExpertInnenforums ist die Etablierung und das Betreiben eines unabhängigen, dynamischen und konstruktiven Netzwerkes, dem die wesentlichen Einrichtungen und ExpertInnen des österreichischen Gesundheitssystems angehören, die sich mit Patientensicherheit beschäftigen. Im Mittelpunkt steht die Förderung der Patientensicherheit durch Forschung, Koordination von Projekten, Vernetzung und Information. Schwerpunkte und Handlungsfelder der Patientensicherheit sollen identifiziert und analysiert werden, um daraus interdisziplinär Lösungen zu entwickeln und zu verbreiten. www.plattform-patientensicherheit.at

MEHR INFORMATION ZUM DOWNLOAD: http://www.plattform-patientensicherheit.at/de/presse.htm

apa.at

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