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APA-Artikel 8. Mai 2014

CH: Umstrittene Fallpauschalen in der Psychiatrie - Kritik von vpod

Gegen den Plan, auch in der Psychiatrie Fallpauschalen für die stationäre Behandlung einzuführen, regt sich Widerstand. Der Verband des Personals öffentlicher Dienste (vpod) fordert vom Bundesrat ein anderes Finanzierungssystem für diesen Bereich. Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) schreibt diese Pauschalen aber vor.

In den klassischen Spitälern sind seit der Einführung der Fallpauschalen rund 1000 Leistungsgruppen definiert. Die stationären Leistungen werden entsprechend abgerechnet und nach einem festgelegten Schlüssel durch die Kantone und Krankenversicherer vergütet. Für die Bereiche Rehabilitation und Psychiatrie gibt es bis jetzt noch kein einheitliches, leistungsorientiertes Tarifsystem.

Diese Lücke im KVG soll nun geschlossen werden. Zuständig für die Erarbeitung, Umsetzung und Weiterentwicklung des gesetzlichen Auftrags ist die SwissDRG AG, eine gemeinsame Institution der Leistungserbringer, Versicherer und Kantone.

Unter der Federführung des Spitaldachverbands H+ ist eine Projektgruppe momentan daran, ein Finanzierungsmodell für die Psychiatrie zu erarbeiten. Die Einführung des so genannten "Tarpsy" ist für 2018 geplant. Es muss vom Bundesrat genehmigt werden.

Gegen Tarpsy wehrt sich der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste (vpod). Er fordert den Verzicht auf das Projekt, wie er in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt. Mit dem neuen Tarifsystem werde die Psyche der Patientinnen und Patienten zum Objekt ökonomischer Optimierung.

Tarpsy schaffe den Anreiz, die Patienten für eine Normaufenthaltsdauer auf jeden Fall in der Klinik zu behalten und sie nach Ablauf dieser Frist so schnell als möglich zu entlassen. Zudem fördere das System die Tendenz, Diagnosen nach lukrativen Kriterien zu stellen und die Behandlungen zu normieren.

"Es ist in der Psychiatrie effektiv schwieriger, homogene Fallgruppen zu bilden", sagte Michael Jordi, Zentralsekretär der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Es gehe nun darum, herauszufinden, wo Fallpauschalen Sinn machten und überhaupt möglich seien.

Heute wird in der Psychiatrie meist mit Tagespauschalen abgerechnet. "Dieses System ist sehr grob", sagte Jordi. Da werde für jemanden, der jede halbe Stunde überprüft werden müsse, gleich viel bezahlt, wie für einen, der am Schluss eines Entzugs stehe und kaum mehr betreut werden müsse.

Das neue Tarifsystem sieht vor, die psychiatrischen Behandlungen anhand der Diagnosen und der Fallschwere - unterteilt in Regel- und Intensivbehandlung - sowie in Abhängigkeit der Behandlungsdauer zu vergüten. Für Kinder, Jugendliche und Patienten der Forensik sollen eigene Kategorien geschaffen werden.

Im Gegensatz zur Akutsomatik in den klassischen Spitälern, wo ganz von Tages- auf Fallpauschalen umgestellt wurde, sind in der Psychiatrie weiterhin auch Tagespauschalen vorgesehen. Damit könnten gemäss SwissDRG auch individuelle Krankheitsverläufe und Aufenthaltsdauern von Patienten aus der gleichen Diagnosegruppe berücksichtigt werden.

Der vpod fordert den Bundesrat auf, dem Parlament eine neue Psychiatriefinanzierungs-Vorlage zu unterbreiten. Darin sollen die stationäre, die tagesstationäre sowie die ambulante Versorgung als Ganzes erfasst werden. Das Prinzip "ambulant vor stationär" müsse gestützt und die integrierte Versorgung verbessert werden.

apa.at

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