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APA-Artikel 8. Mai 2014

Gesundheitsreform: Hausarzt als "Drehscheibe" der Primärversorgung

Die Gesundheitsreform geht nun auch in Niederösterreich in die Umsetzung, nachdem das Land als letztes den Zielsteuerungsvertrag abgeschlossen hat. Bis zum Sommer sollen spezifische Erfordernisse des Bundeslandes erarbeitet werden, gaben Landesrat Maurice Androsch (SPÖ) und NÖ Patientenanwalt Gerald Bachinger am Donnerstag bekannt.

Weg vom bisherigen ärztezentrierten Hausarztmodell, hin zum "multidisziplinären" Basisversorgungssystem lautet dabei die Devise bei der Erstellung des niederösterreichischen Konzepts. "Der Hausarzt wird zur wichtigen Drehscheibe, ergänzt durch die Kompetenz der Apotheker und des Pflegepersonals", erklärte Bachinger. Der Patientenanwalt zeigte sich "sehr optimistisch" hinsichtlich des Gelingens der Gesundheitsreform. "Wir stehen an einem Scheideweg." Ziel sei es nun, die Aufmerksamkeit auf andere Gesundheitsberufe "auf gleicher Augenhöhe" mit den Ärzten zu lenken. Zudem bedarf es eines einheitlichen Selbstbildes von Kassenärzten "mit dem Verständnis, dass die Primärversorgung ein Teil des öffentlichen Gesundheitswesens ist" und man sich diesem unterzuordnen habe. "Wer das nicht will, kann Privat- oder Wahlarzt werden", so Bachinger. Auf Landesebene sollen dementsprechend verbindliche Leistungsbeschreibungen und ein Aufgabenprofil erstellt werden.

"Bis zum Sommer dieses Jahres werden wir ein Konzept an den Bund herantragen", sagte Androsch. Die Gesundheitsreform bringe den Patienten eine wesentliche Verbesserung zum Zugang der medizinischen Versorgung. "Multidisziplinär" bedeute, dass man zukünftig bei einem Hausarztbesuch eine breite Palette von medizinischen Fachbereichen vorfinde. Die Vernetzung der einzelnen medizinischen Disziplinen stehe im Mittelpunkt. Als Beispiel wurde ein sogenanntes virtuelles Gesundheitszentrum genannt, in dem Hausärzte, Pflegepersonal und Pharmazeuten zusammenarbeiten. Damit soll eine Trendumkehr vom bisher oft vom Patienten gewählten direkten Weg in die Spitalsambulanz hin in den niedergelassenen Bereich erfolgen.

In einer von der Patientenanwaltschaft und Oekonsult durchgeführten Befragung im vergangenen März waren österreichweit gesehen 42 Prozent der rund 1.100 Teilnehmer mit den Öffnungszeiten ihres Hausarztes "voll oder teilweise unzufrieden". Zudem stimmten 69 Prozent "voll oder teilweise zu", dass sie zum Beispiel nachts oder am Wochenende lieber zum praktischen Arzt als in die Spitalsambulanz gehen würden.

Als weitere Schritte in der Umsetzung der Gesundheitsreform nannte der Landesrat die regionale Anpassung des Konzeptes nach Abnahme durch die Bundeszielsteuerungskommission (BZK). Danach sollen Pilotprojekte auf Landesebene geführt werden. Bis für die Patienten eine spürbare Veränderung vorliegen wird, werden laut Bachinger noch fünf bis zehn Jahre vergehen.

apa.at

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