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APA-Artikel 7. Mai 2014

Wiener Ärztekammer fordert "nationalen Schulterschluss" gegen Rauchen

Die Wiener Ärztekammer schießt sich erneut auf den Glimmstängel ein: Kammerpräsident Thomas Szekeres forderte am Mittwoch einen "nationalen Schulterschluss gegen das Rauchen". Erreicht werden soll das mittels strengerer Gesetze und höherer Zigarettenpreise. Denn die bisher gesetzten Maßnahmen hätten gesundheitspolitisch nämlich so gut wie nichts bewirkt, so der Tenor in einer Pressekonferenz.

Seit 2005 habe sich an den Raucherzahlen nichts geändert, monierte der Chef der Standesvertretung. Besonders besorgniserregend sei die Situation bei 15-jährigen Mädchen. Hier liegt der Anteil der Raucherinnen bei fast 30 Prozent - ein Schlusslichtwert in Europa. Gleichzeitig lägen hierzulande die Ausgaben für Prävention und öffentliche Gesundheit unter dem EU-Schnitt.

"Handeln ist angesagt", appellierte Szekeres. Notwendig sei einerseits ein generelles Rauchverbot in Lokalen, andererseits höhere Zigarettenpreise. Denn in Österreich stirbt laut Ärztekammerchef stündlich ein Mensch an den Folgen des Aktivrauchens, drei Menschen täglich sterben infolge des Passivrauchens.

"Wir haben einen Raucherschutz und keinen Nichtraucherschutz in Österreich", kritisierte Reinhold Kerbl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, die heimische Gesetzeslage. Die Schädigung durch Nikotinbelastung beginne bereits im Mutterleib - etwa in Form eines erhöhten Risikos für Infektionskrankheiten oder Atemwegsbeschwerden in den ersten Lebensmonaten des Babys. Die schädigende Wirkung setze sich im Kleinkind- und Schulalter fort. Kerbl sprach heute von "Kindesmisshandlung". Absolute Rauchverbote in Lokalen bewirkten einen deutlichen Rückgang des Rauchverhaltens bei Jugendlichen von bis zu 50 Prozent, verwies er auf entsprechende Studien.

Auch Präventivmediziner Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien geißelte die "reaktionäre Tabakpolitik", die über die Wirtschaftskammer wohl von der Tabakindustrie diktiert werde. Er verwies auf Zahlen, dass Spitalaufenthalte wegen Herzinfarkten, Schlaganfällen und Lungenkrankheiten umso stärker zurückgegangen seien, desto weniger Ausnahmen das gesetzliche Rauchverbot zugelassen habe. Sein Fazit: "Partielle Rauchverbote haben versagt."

apa.at

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