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APA-Artikel 7. Mai 2014

CH: Anreize für Entwicklung von Medikamenten gegen seltene Krankheiten

Mit verschiedenen Massnahmen will der Nationalrat den Heilmittelmarkt beleben und Innovationen fördern. Auf Antrag der Kommission setzt er beispielsweise Anreize für die Entwicklung von Medikamenten gegen seltene Krankheiten.

Oft werden solche Forschungen vernachlässigt, weil die Gewinnaussichten wegen der kleinen Zahl von Patientinnen und Patienten gering sind. Die Kommission hat darum vorgeschlagen, für so genannte Orphan Drugs eine Marktexklusivität von 10 Jahren zu gewähren. Bei Arzneimitteln speziell für Kinder soll die Schutzdauer zwölf Jahre betragen.

Der Widerstand der SP dagegen war erfolglos. Marina Carobbio (SP/TI) hatte argumentiert, dass die Einführung einer Monopolstellung nicht im Interesse der Konsumenten wäre, weil dadurch die Preise markant steigen könnten.

Auch Gesundheitsminister Alain Berset erkannte im Vorschlag der Kommission eine ungerechtfertigt starke Wettbewerbsbeschränkung, was die Medikamente teurer und damit für Patientinnen und Patienten schwerer zugänglich machen würde. "Das kann nicht das Ziel sein", sagte Berset. Die Mehrheit sah dies anders: Die Schweiz sei ein kleiner Markt, sagte etwa Sebastian Frehner (SVP/BS). Wenn nur 200 Personen an einer seltenen Krankheit litten, bestehe wenig Anreiz für neue Forschung.

Innovationen sollen ferner über eine Ausdehnung des Unterlagenschutzes gefördert werden. So sollen alle Firmen und nicht nur die Inhaberin einer abgelaufenen Originalzulassung neue Erkenntnisse zu bestehenden Medikamenten schützen dürfen. Den Vorschlag für einen Unterlagenschutz von bis zu zehn Jahren hatte die Gesundheitskommission in die Vorlage eingefügt.

Die SP wehrte sich dagegen, auch die Weiterentwicklung bekannter Medikamente mit geringem klinischen Nutzen zehn Jahre lang zu schützen. Es bestehe die Gefahr, dass damit Scheininvestitionen geschützt würden, sagte Carobbio. "Für die Patientinnen und Patienten ist das Resultat wichtig, nicht der Aufwand der klinischen Prüfung", sagte Heim. Die Mehrheit sah in der Bestimmung jedoch eine Stärkung des Forschungsplatzes Schweiz.

Verschiedene Arzneimittel werden von Swissmedic in einem vereinfachten Zulassungsverfahren bewilligt. Der Bundesrat wollte den Katalog um pflanzliche Heilmittel erweitern. Auf Antrag der Kommission geht der Nationalrat weiter: Heilmittel, die sich im EU- und EFTA-Raum bewährt haben, traditionell eingesetzte Heilmittel sowie Arzneimittel, die seit mehr als 15 Jahren in einem Kanton zugelassen sind, sollen ebenfalls vereinfacht zugelassen werden. Letztere Kategorie betrifft vor allem Naturheilmittel aus dem Appenzell Ausserrhoden.

Komplementärarzneimittel sollen auch noch auf anderem Weg gefördert werden. Betriebe mit einer Herstellungsbewilligung sollen solche zulassungsfrei in kleinen Mengen herstellen können, falls es keine zugelassene Alternative dafür gibt.

apa.at

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