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APA-Artikel 7. Mai 2014

CH: Spitäler brauchen deutlich weniger Spenderblut

In Schweizer Spitälern wurde im Jahr 2013 deutlich weniger Spenderblut gebraucht als im Vorjahr - der Verbrauch ist im Vergleich zu 2012 um 6 Prozent gesunken. Trotzdem kann es auch in Zukunft zu Versorgungsengpässen kommen, warnen die Blutspendedienste. Etwa während der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien.

Dass Blut werde vor allem dann knapp, wenn plötzlich viele Spender ausbleiben - etwa wegen der Sommerferien oder während einer saisonalen Grippe, sagte Rudolf Schwabe, Direktor von Blutspende SRK Schweiz, am Mittwoch vor den Medien in Bern. Auch eine Fussball-Weltmeisterschaft führe erfahrungsgemäss dazu, dass die Leute anderes als das Blutspenden auf dem Programm hätten.

Ein weiteres Problem: Die Spitäler brauchen zwar immer weniger Blut. Gleichzeitig sinkt aber auch die Zahl der Spender. In den letzten zehn Jahren sank die Zahl der Spenden doppelt so stark wie der Verbrauch.

Der Spenderrückgang hat mehrere Gründe, wie Schwabe ausführte. So würden heute mehr Personen in Malariagebiete reisen. Danach sind sie für sechs Monate von der Blutspende ausgeschlossen. Die starke Belastung von Beruf und Familie führe dazu, dass viele Spender im Alter zwischen 35 und 50 ausfielen. Diese seien später nur schwer zurückzugewinnen.

Vor allem mit Blick in die Zukunft wollen die Blutspendedienste des Roten Kreuzes neue Spender dazugewinnen. Denn mit der demografischen Entwicklung steigt die Anzahl der älteren Menschen. Diese sind einerseits häufiger als Patienten auf Spenderblut angewiesen. Andererseits kommen sie ab zirka 65 Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Spender in Frage.

Die Blutspendedienste rechnen damit, dass die über 65-Jährigen bis im Jahr 2020 rund einen Viertel der Bevölkerung ausmachen, bis 2060 sogar 40 Prozent. Man müsse also ab 2020 mit einer Trendwende und einem Wiederanstieg des Blutbedarfs rechnen, sagte Behrouz Mansouri Taleghani, medizinischer Direktor von Blutspende SRK Schweiz.

Heute würden jährlich rund fünf Prozent der Blutspender aus Altersgründen ausscheiden, führte Schwabe aus. Jeder dieser Abgänge müsse mit drei bis vier Neuspendern ersetzt werden, da jüngere Personen erfahrungsgemäss weniger häufig zur Blutspende gingen. 5000 neue Blutspender sollen bis zum Sommer gewonnen werden - die Kampagne dazu wurde am Mittwoch lanciert.

Paradox klingt vor diesem Hintergrund folgende Ankündigung vom Mittwoch: Einige Blutspendezentren haben künftig weniger lange geöffnet, mobile Equipen kommen mancherorts nur noch zwei statt dreimal pro Jahr vorbei, Blutspender sollen weniger häufig aufgeboten werden.

"Insbesondere bei den grossen Blutgruppen haben wir keine Engpässe. Wir werden bei den Aufgeboten darum in Zukunft verstärkt auf die Blutgruppen achten und einzelne Personen ganz gezielt aufbieten", sagte Beat Frey, Chefarzt des regionalen Blutspendedienstes Zürich.

Der Blut-Verbrauch in den Spitälern ist bereits seit zehn Jahren rückläufig. 2003 wurden pro 1000 Einwohner im Schnitt noch 42 Blutbeutel benötigt, 2013 waren es nur noch 34,5 Beutel. In den letzten zwei Jahren habe sich die Entwicklung "akzentuiert", wie Mansouri ausführte.

Der starke Rückgang setzte damit gleichzeitig mit der Einführung der Fallpauschalen in den Spitälern im Jahr 2012 ein. Der Kostendruck auf die Spitäler ist gestiegen. Dies habe sicher einen gewissen Einfluss auf die Nachfrage, sagte Schwabe. Er habe von einigen Spitälern gehört, welche die Logistik optimiert hätten.

Das sei aber bestimmt nicht der Hauptgrund für den Rückgang, sagte Schwabe. In anderen europäischen Ländern sei die Nachfrage im gleichen Zeitraum ebenfalls gesunken, obwohl dort keine Fallpauschalen eingeführt worden seien.

Als wahrscheinlichste Erklärung sieht Mansouri die Tatsache, dass in den Spitälern heute haushälterischer mit Spendenblut umgegangen wird. So werde bei planbaren Operationen zum Beispiel mehr mit Eigenblutspenden gearbeitet. Dank medizinischer Fortschritte konnte der Blutverlust bei chirurgischen Eingriffen vermindert werden.

apa.at

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