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APA-Artikel 7. Mai 2014

CH: Karten im Medikamenten-Markt werden neu gemischt

Eine Änderung des Heilmittelgesetzes soll sicherstellen, dass die Bevölkerung Zugang zu qualitativ hochstehenden, sicheren und wirksamen Medikamenten hat. Mit der Revision werden auch gleich die Karten in einem milliardenschweren Markt neu gemischt.

Während mehr als einem Jahr hat die Gesundheitskommission des Nationalrats an der Vorlage gearbeitet, über welche das Plenum heute Mittwoch diskutiert. Dutzende Anträge stehen zur Diskussion, einige davon mit grossem Einfluss auf die Neuregelung.

Ein Antrag betrifft die Abgabe gewisser verschreibungspflichtiger Medikamente durch Apotheker. Heute braucht man für solche in der Regel ein Rezept vom Arzt. Der Ärzteverband FMH ortet denn auch "grosse Risiken für Patientinnen und Patienten".

Die vorgeschlagene Neuregelung dürfte die Ärzteschaft Marktanteile kosten, ebenso die Rezeptpflicht, welche die Kommission in die Vorlage einfügen will. Damit Patienten frei wählen können, ob sie das Medikament beim Arzt oder beim Apotheker beziehen, sollen Ärzte künftig in jedem Fall ein Rezept ausstellen müssen. Ärzte tun dies heute nicht, wenn sie Medikamente direkt in der Praxis abgeben.

Die FMH rechnet damit, dass die ihrer Meinung nach sinnlose neue Vorschrift 100 bis 150 Millionen Franken pro Jahr kosten würde. Der Ärzteverband hat bereits damit gedroht, die Revision mit dem Referendum zu bekämpfen, falls das Parlament keine Kurskorrektur vornimmt.

Allerdings müssen wohl auch Apotheken etwas Federn lassen: Drogerien sollen künftig alle nicht verschreibungspflichtigen Medikamente verkaufen dürfen, einige Heilmittel sollen künftig sogar im Detailhandel erhältlich sein. Zudem will die Kommission den Versandhandel mit Medikamenten strenger regeln als bisher.

Zu reden geben dürfte im Rat auch das Verbot der Rabatte, welche Pharmafirmen Apothekern und Ärzten gewähren. Der Bundesrat möchte das Verbot finanzieller Anreize auf rezeptpflichtige Medikamente beschränken. Die Gesundheitskommission will weitergehen und die Annahme geldwerter Vorteile für alle Medikamente verbieten. Ausnahmen sollen geringfügige, sozial übliche Zuwendungen oder Beiträge an Forschung und Weiterbildung sein.

In den Entwurf eingefügt hat die Kommission ferner Massnahmen zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen. Der Bundesrat soll die Kompetenz erhalten, den Einsatz von Antibiotika in der Veterinärmedizin zu senken. Über eine Datenbank soll der Antibiotikaverbrauch bei Betrieben und Tierärzten überwacht werden können.

Mit dem Gesetz will die Kommission auch die Innovationskraft der Industrie stärken. Beispielsweise soll die Weiterentwicklung von zugelassenen Medikamenten mit einem zusätzlichen Schutz gefördert werden: Alle Firmen und nicht nur die Zulassungsinhaberin des Originalpräparats sollen Zulassungsunterlagen während bis zu zehn Jahren unter Verschluss halten können.

Weitere Massnahmen sind vorgesehen, um Arzneimittel für seltene Krankheiten sowie solche speziell für Kinder zu fördern. Unter anderem möchte die Kommission eine zehnjährige Marktexklusivität für Mittel gegen seltene Krankheiten einführen. Mit diesem faktischen Monopol sollen Pharmakonzerne einen Anreiz zur Herstellung dieser Medikamente erhalten.

Die Kommission beantragt auch, Komplementär- und pflanzliche Arzneimittel, die sich im EU- und EFTA-Raum bewährt haben, einfacher auf den Schweizer Markt bringen zu können. Ebenfalls vereinfacht zugelassen werden sollen Mittel, die kantonal seit mehreren Jahren zugelassen sind.

Das Heilmittelgesetz ist seit 2002 in Kraft. Eine erste Revision, welche die Spitalpräparate betraf, wurde 2010 umgesetzt. Nach Ansicht des Bundesrats hat das Gesetz die gesteckten Ziele erreicht, jedoch habe sich punktueller Handlungsbedarf ergeben. Laut Botschaft liegen die Schwerpunkte beim Zugang zu Arzneimitteln, der Überwachung des Marktes und bei der Regelung der geldwerten Vorteile.

apa.at

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