zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 6. Mai 2014

Brustkrebs-Screening: In Zukunft Zuweisung möglich

Die Besorgnisse rund um das seit Anfang 2014 laufenden Brustkrebs-Screeningprogramms in Österreich dürften zu einer Änderung der Abläufe führen. In Zukunft soll eine Vorsorge-Mammografie für jede Frau im fraglichen Alter möglich sein, nach der Untersuchung soll die E-Card für zwei Jahre für eine weitere solche Vorsorgeuntersuchung gesperrt bleiben. Dies erfuhr die APA aus verlässlicher Quelle.

"Es tut sich einiges. Man hat eingesehen, dass man die Abwicklung ändern muss", erklärte man am Dienstag gegenüber der APA. Von offizieller Stelle gab es allerdings noch keine Bestätigung. Bisher war die E-Card für eine Vorsorge-Mammografie bei gesunden Frauen im Alter zwischen 45 und 70 Jahren ab der brieflichen Einladung nur drei Monate lang für solche Untersuchungen "offen".

Gleichzeitig gab es de facto keine Zuweisungen von Vertrauensärzten für Frauen zum Radiologen für die Früherkennungsuntersuchung. Darauf hatte bis Ende vergangenen Jahres das sogenannte "Graue Screening" in Sachen Brustkrebs per Mammografie beruht. Etwa 40 Prozent der Frauen hatten daran teilgenommen. Das Manko war allerdings, dass vor allem sozial schlechter gestellte Frauen oft nicht zu diesen Untersuchungen gingen, andere jedoch vermehrt.

Das sollte das neue Brustkrebs-Screeningprogramm in Österreich mit Anfang des Jahres ändern. Prinzipiell sollten alle Frauen zwischen 45 und 69 Jahren alle zwei Jahre eine persönliche briefliche Einladung zur Mammografie erhalten. Frauen zwischen 40 und 44 Jahren und 70 bis 74 Jahren hätten, falls sie teilnehmen wollen, eine Einladung anfordern müssen.

Nunmehr lagen aber die Daten über mehrere Monate vor. Die Crux war eindeutig die geringe Beteiligung. Im Vergleich zu den Zahlen von 2011 gab es laut den österreichischen Radiologen einen Rückgang um 35 Prozent. Man hatte 70 Prozent der Frauen erreichen wollen, kam aber kumulativ bis einschließlich der 17. Kalenderwoche nur auf rund zehn Prozent. Zu 80 Prozent kamen sie auf direkte Zuweisung (kurativ/Verdacht) durch ihre Ärzte zur Mammografie, nur zu 20 Prozent aufgrund der Einladungen. Nur 0,3 bis 0,4 Prozent der Frauen gingen durch die Einladungen erstmals zur Mammografie.

Die neuen Änderungen sollen die Problematik beseitigen helfen. Auch die Altersgrenze nach oben - so informierte Personen am Dienstag - dürfte fallen. Brustkrebs ist mit jährlich mehr als 5.000 Neuerkrankungen das häufigste Karzinom bei Frauen. Pro Jahr gibt es in Österreich rund 1.600 Todesfälle.

Unbestritten von allen Beteiligten sind die Vorteile des österreichischen Mammografie-Vorsorgeprogramms in inhaltlicher Sicht. Für alle Untersuchungen gilt das Vier-Augen-Prinzip (unabhängige Begutachtung durch jeweils zwei Radiologen, die von den Aussagen ihres Kollegen nichts wissen). Rund 570 österreichische Radiologen an 190 Stellen haben sich über ein rigoroses Ausbildungsprogramm für die Früherkennungs-Mammografie im Rahmen des Projektes zertifizieren lassen. Jeder von ihnen muss jährlich mindestens 2.000 Befundungen durchführen, sonst wird er automatisch gesperrt. Auch die notwendige Frequenz für die Qualifizierung der Untersuchenden wäre bei anhaltend geringer Beteiligung in Gefahr gewesen.

Alle Untersuchungen werden unter Wahrung des Datenschutzes gespeichert. Es gibt ein begleitendes Evaluierungsprogramm, um auf eventuelle Probleme reagieren zu können. Wenn bei der Mammografie Hinweise auf ein besonders dichtes Brustgewebe auftauchen oder eine Auffälligkeit festgestellt wird, kann sofort nach der Mammografie eine ergänzende Ultraschalluntersuchung erfolgen. Das erhöht die Sicherheit.

(Informationen mit dem Stand von Dienstagnachmittag: http://www.frueh-erkennen.at).

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben